BAD AACHEN 03-2025

26 | BAD AACHEN 03/25 INNENSTADTREPORT Handel in die Hand nehmen Entlang des Elisenbrunnens tut sich etwas: Während Baustellen auf einer Seite das Bild bestimmen, eröffnen sich an anderer Stelle neue Shoppingperspektiven. Nichts ist hier so beständig, wie der Wandel. Von Henning Willes Wer nimmt den Handel in die Hand? Vier Finger zeigen vom Elisenbrunnen Richtung Osten – alles zugkräftige Einkaufsstrecken; mal länger, mal kürzer: Adalbertstraße, ElisenGalerie, Wirichsbongardstraße, Theaterplatz. Nicht nur Baustellen sorgen dafür, dass hier auch in diesen Wochen Shoppingmeilen neues Profil entwickeln – müssen. Für manchen kommt es faustdick, andere greifen günstig zu. Für viele – vor allem Kundinnen und Kunden – gilt trotzdem: Daumen hoch. Handfeste Beispiele gefällig? Ausgangslage Friedrich-Wilhelm-Platz/Elisenbrunnen: Die Sparkasse räumt die Erdgeschosse aus. Swarovski ist an die Krämerstraße umgezogen. Daneben hat Juwelier Lücker nach 121 Jahren für immer dicht gemacht. Das Geldinstitut rüstet das komplette Vorderhaus ein. Monatelang wird hier energetisch saniert, die Fassade generalüberholt. Schön solls werden. Erst danach kann wieder Einzelhandel in die Erdgeschosse einziehen. Ein paar Häuser weiter baut Printen-Primus Lambertz seinen Flagship-Store. Im eigenen Geschäftshaus am Elisenbrunnen, Friedrich-Wilhelm-Platz 9–10, existiert die Verkaufsstelle seit dem Jahr 1876. Seit einem Jahr werden zwei Geschäftslokale vereint, Kernsanierung auf rund 80 Quadratmetern. Es wird edel. Gerade läuft auf anderthalb Etagen der Innenausbau. Nach Ostern will Lambertz Eröffnung feiern. Sorglos indes entwickelt sich mitten durch den Sparkassenkomplex gegenüber der Rotunde die ElisenGalerie. Nur hier gibt es derzeit auf dem Weg zur Reihstraße keinen einzigen Leerstand. Adalbertstraße: Das Eingangstor hinter dem Friedrich-WilhelmPlatz ist frisch bestückt. Die Boutique Femme rechter Hand knüpft an die textile Tradition der populärsten Fußgängerzone der Stadt an; schick und günstig. Schräg gegenüber bespielt die Supermarktkette go asia aus Berlin die erste Etage; clever, Zugang über die Rolltreppe. Auf 980 Quadratmetern reihen drei chinesische Geschäftsführer im grünen Hochglanz rund 6000 Produkte aus Fernost auf. Das Erdgeschoss – ehemals Boutique – ist jetzt der modernste dm der Stadt: 670 Quadratmeter neugestaltet. Die beiden Märkte versprechen deutlich mehr Laufkundschaft für Aachens Shoppingmeile Nummer eins. Trotzdem: Gegenüber hat der Kaufhof gerade das Erdgeschoss neben der Hauptdependance geräumt. Hier hatte man für die süßen Produktpaletten von Lindt und Lambertz exklusiv prominenten Raum verpachtet. Inzwischen sind die Mietverträge gekündigt. 650 Quadratmeter, Hausnummer 18, stehen leer. Galeria Kaufhof, selbst in finanziellen Nöten, hat für die teure Fläche keine Verwendung mehr. Hinter dem Kaufhof, Adalbertstraße, rechte Seite Richtung WillyBrandt-Platz, will zumindest Apollo-Optik im März die Türen wieder aufschließen, zusätzlich zur Dependance im Aquis Plaza. Auf dem Weg dorthin vergammeln jedoch nach wie vor die Peek & Cloppenburg-Immobilien und Nachbarhäuser ab Hausnummer 32 bis zum knapp 100 Meter entfernten ehemaligen Nordsee-Schnellrestaurant. Nebenan ist Deluxe Beauty auf Nägel spezialisiert, Hausnummer 50. Eher Dienstleistung als Handel: Auch das ist ein Trend auf Aachens ehemaligen Boutiquestraßen. Der alte Nordsee-Imbiss wird gerade umgebaut, ein Nachmieter ist nicht in Sicht. Was genauso für die P&C-Schrottimmobilien gilt. Der Eigentümer will mit der Stadt nach eigenen Angaben bereits in diesem Frühjahr ein Mixed-Use-Konzept erarbeiten, per Wettbewerb die beste Idee suchen, die alten verwinkelten Handelshäuser abreißen und völlig neu bauen. Das dauert – bestenfalls – einige Jahre. Seit zwölf Jahren steht die ehemalige Wehmeyer-Immobilie leer. Verantwortlich für die P&C-Häuser zeichnet seit drei Jahren Kevin Meyer, Geschäftsführer der Midstad Advisory GmbH. Er hat einen Großteil der Häuser aus Erbpachtverträgen herausgekauft. Im Bestandseigentum befand sich die Adalbertstraße 44–46 mit einer Fläche von etwa 2400 Quadratmetern. 2024 erworben wurden die Grundstücke der Hausnummern 36 und 38 bis 40 mit weiteren 4600 Quadratmetern Fläche. 2025 soll nun Bewegung in die Sache kommen. RWTH-Hörsäle, Einzelhandel im Erdgeschoss, Studierenden-Appartements, ein Hotel – vieles ist in Kombination denkbar. Nur rechnen muss es sich für Midstad. Die Wirichsbongardstraße verläuft auf der anderen Seite des Häuserblocks. Entlang des Kopfsteinpflasters entwickeln sich etliche inhabergeführte Geschäfte – oft klein, sehr individuell. Dazu zählen eine ganze Reihe hipper Shops rund um die Themen Fantasy und Spiele. Reinschnuppern lohnt sich. Auch angesichts von Neuzugän- Obere Adalbertstraße: Neuansiedlungen machen Mut. Foto: Christoph Hartmann Aufbruch an der Shoppingmeile: Die Sparkasse baut um.

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