101 staatliche Aufsicht, machten die Übertragung eines kirchlichen Amts von der Zustimmung des Staates abhängig und schränkten die Gerichtsbarkeit der Kirche ein. Der Berliner Mediziner und Abgeordnete der Fortschrittspartei, Rudolf Virchow (1821 – 1902), bezeichnete diese Auseinandersetzungen jetzt als Kulturkampf. Auf beiden Seiten agierten Vereine, Zeitungen griffen in den eskalierenden Streit ein. Das Verbannungsgesetz von 1874 bedrohte abgesetzte oder verurteilte Geistliche bei fortwährender Ausübung ihres Amtes mit Ausweisung und Entzug der Staatsbürgerschaft, das Brotkorbgesetz von 1875 stellte alle finanziellen Leistungen des Staates an die Kirche ein, hob alle Orden und geistlichen Gemeinschaften auf, soweit sie nicht in der Krankenpflege tätig waren. Die Einführung der Zivilehe und der Zivilstandsregister übertrug schließlich die im Rheinland seit 1789 bestehenden Bestimmungen auf das gesamte Staatsgebiet. Zwischen 1875 und 1876 wurden alle bischöflichen Einrichtungen, darunter auch Priesterseminare, geschlossen. Alle Bischöfe in Preußen waren zu dieser Zeit abgesetzt und teilweise verhaftet. Priesterweihen und Firmungen waren nicht mehr möglich. Am Ende des Kulturkampfes war etwa ein Viertel bis ein Drittel aller Priesterstellen unbesetzt. Im Kreis Ahrweiler fehlten allein 19 Pfarrer. Kirchsahr hat unter dem Kulturkampf besonders gelitten. Als der Staat 1887 die Zwangsmaßnahmen endgültig aufhob, verbesserte sich die Lage nicht. Zunächst galt es, die größeren Pfarren in den Städten wieder mit Priestern zu besetzen. Die abgelegene, nur etwa 330 Angehörige zählende Pfarre Kirchsahr musste bis 1901 auf einen neuen Pfarrer warten. Seelsorge und Verwaltung der Pfarrstelle übernahmen vom 14. Mai 1893 – Mai 1899 der Pfarrer von Houverath, Winand Schmitz und vom 31. Mai 1899 – 1. Mai 1901 der Pfarrer von Lind: Hermann Josef Michels, Peter Alois Ruloff (1. Mai 1901 – 1907), geb. 1.8. 1873 in Illingen, geweiht 26.3. 1898 in Trier, 1898 Kaplan in Neuenahr, 23.4. 1907 Pfarrer in Schillingen, 26.9. 1914 Pfarrer in Pluwig, gest. 8.1. 1927. Von 1907 – 1909 wurde die Pfarre durch den Pfarrer von Lind, Joseph Koll, verwaltet. • Johann Maria Becker (9.2. 1909 – 25.9. 1922), geb. 27.7. 1879 in Lockweiler, geweiht 28.3. 1903 in Trier, 1.5. 1903 Kaplan in Püttlingen, 5.5. 1905 Kaplan in Horchheim, 22.12. 1906 Kaplan in Sobernheim, 1.10. 1922 Pfarrer in Obermendig, 1.8. 1956 em., gest. 23.1. 1957 in Heppingen. Peter Alois Ruloff (1901/1902) Sammlung Josef Zavelberg Johann Maria Becker (1953) Pfarrarchiv Kirchsahr, Nr. 43.
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