104 die Bezeichnung für die gesamte Anlage übernommen und nennt Mühlteiche noch heute Kluse. Der Zehnt war also nichts anderes als eine Vergütung, die der Grundherr den Müllern neben Pacht und Zehnten für die Wassernutzung abverlangte. Etwa zur gleichen Zeit ließ sich das Stift auch von den ersten Bergbauunternehmern im Tal die Entnahme von Wasser aus dem Sahrbach zum Betrieb der Erzaufbereitungsanlagen vergüten. Diese Zahlung beruhte allerdings nicht mehr auf altem Herkommen, sondern war Bestandteil eines frei ausgehandelten Vertrags. Dem Pfarrer stand schließlich noch die Sack Rehnte in Höhe von 1 Malter und 6 Vierteln Roggen zu. In anderen Regionen wurde diese Abgabe auch Sackzehnt genannt. Sie wird demnach einen älteren Zehnt ersetzt haben. Ursprünglich war der Kornzehnt unmittelbar vom Feld als Garbenzehnt abzuliefern, beim Sackzehnt musste dagegen das Korn ausgedroschen und in Säcken verpackt übergeben werden. Meist war der Sackzehnt aber bereits in eine Geldleistung (Zins, Rente) umgewandelt worden. Insgesamt bezog der Pfarrer um 1727 etwa 40 Malter zu annähernd gleichen Teilen aus Roggen und Hafer.155 Nach einem Bericht des damaligen Amtsinhabers, Johann Ulrich Meller, aus dem Jahre 1729156 blieb selbst in guten Jahren nur ein Reinertrag im Gegenwert von je 23 bis 24 Paar Roggen und Hafer. Weitere 4 Paar Roggen und Hafer erzielte er aus Messstiftungen. Am Ende des 18. Jahrhunderts bot die Verwaltung der Einnahmen des verpachteten Burghofs dem Pfarrer einen zeitweisen Nebenverdienst.157 Noch 1886 bildeten die Erlöse aus den 12 Morgen Ackerland, 3 Morgen Wiesen und 25 Morgen Wald eine wichtige Einnahmequelle des Pfarrers.158 Im Jahre 1832 beliefen sich die Einnahmen des Pfarrers aus den Messgebühren von jeweils 11 bis 12 Maltern159 Roggen und Hafer, den Lieferungen von Heu und Stroh und seinem staatlichen Gehalt auf insgesamt 249 Taler und 22 Silbergroschen. Um auf ein Mindesteinkommen von 265 Talern zu kommen, gestand ihm eine königliche Anweisung einen staatlichen Zuschuss von 23 Talern zu.160 Zur dieser Zeit erhielt der Pfarrer in Lind das als ausreichend geltende Jahreseinkommen von 274 Talern (1842), während in Ahrweiler 471 Taler (1843) und in Altenahr 488 Taler (1845) als gutes Einkommen galten. Kirchlich-religiöses Leben in Kirchsahr Nachrichten über das kirchlich-religiöse Leben in der Pfarre reichen bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Seit 1630 beteiligten sich alle Pfarreien des Dekanats Ahrgau an einer jährlichen Wallfahrt zum Kalvarienberg bei Ahrweiler. 1666 stammten allein 40 Teilnehmer aus Kirchsahr. Auch einer von Altenahr nach Trier führenden Wallfahrt schlossen sich Gläubige aus Kirchsahr an. Seit 1762 sind Wallfahrten auf den Michelsberg und nach Münstereifel belegt. Das Kirchweihfest wurde am 4. Oktober gefeiert. Das Gemeindeleben trug damals eine 1648 zu Ehren der Heiligen Familie und des Heiligen Franziskus Xaverius gegründete, in den Jahren 1669 und 1717 erneuerte Bruderschaft.161 Das Visitationsprotokoll von 1743 charakterisiert sie als Christenlehrbruderschaft. Die Stiftung verfügte über ein Vermögen von 15 Kölner Gulden, dessen
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