105 Erträge für die Beschaffung von Wachs, Hostien, Messwein und für Jahrmessen bestimmt waren. Die von der Bruderschaft gestaltete Sakramentsprozession lag anfangs auf dem Festtag Maria Geburt (8. September), dann auf Maria Verkündigung (25.3.) und fiel seit 1757 auf den Sonntag nach dem Fronleichnamsfest. Der Festtag begann mit einer Predigt, es folgte die Bruderschaftsandacht mit dem Totengebet, bei dem die Namen der Verstorbenen verlesen wurden. Nachmittags zog die Prozession durch den Ort, wo an zwei Altären der Segen gespendet wurde. Die acht jüngsten Männer trugen den Baldachin. Den Pfarrangehörigen galt dieses „Sahrerfest“ im Laufe der Zeit als Familienfest, an dem sie auswärtige Gäste empfingen und bewirteten. Allmählich trat der religiöse Gehalt in den Hintergrund. Der Versuch, an diesem Tag eine Tanzveranstaltung einzuführen, scheiterte am Widerstand des Pfarrers. An den Wahlen der Bruderschaftsmeister beteiligte sich niemand. Von 1909 bis 1922 fanden sich nicht einmal Dorfbewohner als Baldachin- und Fahnenträger. Seither begleiteten Bergleute der zur Pfarre gehörenden Bergwerke in ihren Knappenuniformen das Sakrament. Heute lebt die Prozession, dank des Einsatzes einiger Pfarranhöriger, wieder in ihrer ursprünglichen Form und Bedeutung. Im 19. Jahrhundert mobilisierte die Kirche die Gläubigen durch Vereine, die auch von Kirchsahr aus unterstützt wurden. Zunächst wurde eine „Belebung christlicher Gesinnung“ angestrebt. Sie sollte unter anderem durch die „Verbreitung guter Schriften“ erreicht werden. Dazu wurde 1845 der Borromäus-Verein gegründet. Seit 1932 war er auch in Kirchsahr vertreten. Nach der Revolution von 1848/1849 nutzte die Kirche die damals erlangte Versammlungs- und Vereinsfreiheit vermehrt dazu, katholische Positionen zu behaupten und den Interessen der katholischen Kirche gegenüber dem Staat größeren Nachdruck zu verleihen. Dies zeigt bereits der 1849 gestiftete BonifatiusVerein zur Unterstützung katholischer Minderheiten im vornehmlich protestantischen Kernland Preußens. 1918 sollten solche Vereine in jeder Pfarrei eingeführt sein. Katholische Zur Mission wurde 1859 ein 100-Tage-Ablass bewilligt Bildersammlung Freundeskreis
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