110 Die Innenausstattung der Pfarrkirche Das Jahr 1934 brachte eine grundlegende, im Wesentlichen noch heute bestehende Neugestaltung des Innenraums. Die Seitenaltäre und Gipsfiguren wurden entfernt, die Kanzel wurde ohne Schalldach zurückgesetzt, die bis dahin im Triumphbogen hängende Türkenmadonna kam an ihren heutigen Platz. Die vormals auf einer Balustrade platzierte Martinsfigur kam zusammen mit den 1901 entfernten und 1915 im Turm wiedergefundenen Nebenfiguren in die darunterliegende, erweiterte Nische. Eine neue Nische wurde für die Pieta gebrochen.181 Seit 1760 beherbergt die Kirche den weit über die Gemeinde hinaus bekannten Flügelaltar182, der im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts für die Stiftskirche Münstereifel angefertigt worden war. Die Außenseiten der Altarflügel zeigen unter anderem den Apostel Petrus als den ursprünglichen Patron der Stiftskirche, den Ordensgründer Benedikt und die Stiftspatrone Chrysantus und Daria. Chrysantus ist als römischer Offizier mit Lanze und Kreuzfahne in der linken Hand und einem Schild an seiner rechten Seite dargestellt. Neben ihm hält Daria in der linken Hand ein Buch und rechts einen Palmzweig. Chrysantus und Daria waren während der Christenverfolgung des römischen Kaisers Diokletian (284 – 305) vermutlich um das Jahr 304 als Märtyrer gestorben und in Rom beigesetzt worden. Alle anderen Angaben zu ihrem Leben und Sterben müssen letztlich unsicher bleiben. Ihre Reliquien gelangten 844 von Rom nach Prüm und von dort vier Jahre später nach Münstereifel. Die Innenseiten des Altars stellen je sechs Szenen aus dem Leben Christi dar. Die Mitteltafel zeigt an den Seiten in ähnlichem Format je drei Passionsszenen und in der Mitte die Kreuzigung. Unter dem Kreuz kniet der Stifter in der Gestalt eines Benediktiners, aus dessen Händen sich ein Spruchband emporschwingt. Inneres der Pfarrkirche vor 1927. Der Marienaltar wurde 1927 Hauptaltar der Kapelle in Plittersdorf. Der Josefaltar kam nach St. Michael auf den Michelsberg. Franz-Werner Bungart, Geschichtliches über Plittersdorf, S. 98. Pieta Foto: F.-J. Verscharen (2014)
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