113 Anordnung, Proportionierung und Farbgebung zum Ausdruck zu bringen versuchte, galt als veraltet, zuweilen gar als Relikt eines „dunklen Mittelalters“. Schon am Ende des 17. Jahrhunderts hatten die Stiftsherren mit der barocken Umgestaltung ihrer Kirche begonnen und im Verlaufe der bis etwa 1722 andauernden Arbeiten auch einen neuen Hochaltar zu Ehren der beiden Märtyrer in Auftrag gegeben.185 Der alte Flügelaltar verstaubte auf einem Speicher. Umbauarbeiten boten in den 1760er Jahren die Gelegenheit, den 1730 noch aus der alten Kirche übernommenen Altar auszutauschen. Der Chor schien sich gesetzt zu haben und musste dringend gesichert werden. Die Kosten musste das Stift in seiner Stellung als Pfarrherr tragen. 1761 ließ das Stift eiserne Querverstrebungen („Drallichen“) im Chor einziehen. Der Schmied in Plittersdorf hatte dafür 546 Pfund Schmiedeeisen geliefert.186 Die beste Gelegenheit zur Errichtung eines neuen Altars bot der 1769 begonnene Anbau einer Sakristei. Die Gemeinde hatte 1753 aus Stiftungen zwei barocke Seitenaltäre angeschafft, für einen neuen Hauptaltar hatten aber die Pfarrherren aufzukommen. Die Stiftsherren scheuten die Ausgabe und griffen stattdessen auf den achtlos zur Seite gestellten Altar zurück. Für ihre entlegenste Pfarrkirche schien das völlig aus der Mode gekommene Kunstwerk gerade gut genug.187 Die Bedeutung des gotischen Flügelaltars erkannte man erst im 19. Jahrhundert, als sich die Romantik dem Mittelalter in einer idealisierenden Rückschau zuwandte und in der Gotik den stärksten Ausdruck dieser Gefühle sah. Pfarrer Johann Peter Lersch äußerte schon 1822 in einem Bericht die Ansicht, dass man 1782 in Münstereifel den Wert des Altarbildes nicht erkannt hatte. Der Kirchenvorstand zog damals einen Verkauf in Erwägung.188 Im gleichen Jahr nahm das Bild beim Versuch einer Reinigung beträchtlichen Schaden. Der aus Köln stammende Kunsthistoriker, Kunstsammler und Förderer der Domvollendung, Sulpiz Boisserée (1783 – 1854), vermerkte daher noch am 9. September 1841 in seinem Tagebuch: „das Bild in Kirgs-Ahr ist ein sehr geringes der altköln. Schule, eine Kreuzigung.“189 Eine erste Instandsetzung erfolgte 1862/1863 mit nur mäßigem Erfolg vor Ort. Einen neuen Altartisch fertigte 1904 der Rheinbacher Kunstschreiner Franz Müllenbruch an.190 1909 hatte die für die Kulturpflege zuständige Provinzialverwaltung den Wert des Altarbildes erkannt und beantragte den Erwerb für eines der Landesmuseen. Der Kirchenvorstand wies dieses Ansinnen mit Nachdruck zurück.191 1913/1914 kam das Altarbild zur Restaurierung in die Düsseldorfer Kunstakademie, nach der Renovierung der Kirche im Jahre 1934 führte der Bonner Restaurator Robert Hieronymi 1937/1938 weitere Sicherungsarbeiten aus. Es folgte die Ausstellung im Landesmuseum Bonn.192 Nach der jüngsten Überarbeitung zeigt es sich seit 2007 wieder in seiner ursprünglichen Schönheit. Besondere Beachtung fand der Altar 1956, als der damalige Bundespräsident, Theodor Heuss, einen Kuraufenthalt in Münstereifel für einen kurzen Besuch nutzte. Am Morgen des 19. August kündigten zwei Wachtmeister dem Pfarrer von Houverath, Dr. Paul Alertz, der die Pfarre zu dieser Zeit verwaltete, den Besuch für den Nachmittag an. Die Gemeinde stellte
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