124 bildet der König, unter ihm standen Adel und Geistlichkeit, die Basis bildeten freie und hörige Bauern sowie Mägde und Knechte. Die Lehnspyramide Da die Dienste vor allem militärischer Natur waren, wurde das Lehnswesen für mehr als ein Jahrtausend die Grundlage von Heeresverfassung und sozialer Organisation des Heiligen Römischen Reichs. Es bestand als weit verzweigtes Netz persönlicher Bindungen. Man spricht daher von einem Personenverbandsstaat. König/Kaiser vergibt Lehen Hohe Geistlichkeit Fürsten Herzöge, Pfalz-, Mark-, Land-, Burggrafen, Grafen leisten Kriegs- und Amtsdienste vergeben Land Klöster, Stifte Ritter Dienstmannen leisten Kriegs- und Amtsdienste sie vergeben Land Freie Hörige leisten Frondienste und Naturalabgaben Die Lehnspyramide beschreibt die mittelalterliche Gesellschaft jedoch nicht umfassend und lässt die dynamische Entwicklung des Zeitalters außer Acht. Die dargestellten Herrschafts- und Abhängigkeitsverhältnisse treffen höchstens für das Hochmittelalter und hier nur für einen Teil der ländlichen Bevölkerung zu. Adelige konnten dem König/Kaiser direkt unterstehen (Reichsritter). Das Bürgertum der aufstrebenden Städte bleibt völlig unberücksichtigt. Die Freien- und Reichsstädte unterstanden direkt den König/Kaiser und waren damit dem Zugriff des Adels entzogen. Das von Staatsrechtlern der frühen Neuzeit entworfene Bild einer strengen Hierarchie, an deren Spitze der Kaiser/König steht, dann die geistlichen und weltlichen Reichsfürsten, gefolgt vom niederen Adel und schließlich den Kaufleuten und Bauern, vermittelt das Bild einer Gesellschaftsordnung, die politische, religiöse, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf Dauer festschreibt.
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