131 Die Annahme, dass es sich bei Sigebodo um einen Vorfahren der Grafen von Are handelt, stützt sich zunächst nur darauf, dass sich alle um 963 von ihm erworbenen Güter später im Besitz der Grafen von Are befanden, und zum andern auf die im Mittelalter übliche Sitte, bestimmte Vornamen in gleichmäßiger Folge von Generation zu Generation weiterzugeben. Solche Leitnamen waren in der Familie von Are neben Sigebodo auch Richwin und Theoderich. Zwei Brüdern, die die beiden erstgenannten Namen führten, hatte König Otto III. 992 den Wildbann im Ahrgebiet verliehen.228 Der Wildbannbezirk wurde von der Ahr im Norden, vom Adenauer Bach bis nach Niederadenau im Westen und von hier aus in etwa von einer über die Hohe Acht, weiter nach Jammelshofen, Blasweiler und zwischen Königsfeld und Ramersbach bis zum späteren Burgberg Neuenahr führenden Linie, begrenzt. Das Gebiet entspricht weitgehend dem heutigen Staatsforst Adenau. Mit dem Wildbannbezirk wurden die Vorfahren der Grafen von Are zum größten Grundbesitzer an der Ahr. Im Ahrgau selbst übten sie aber zu keiner Zeit Grafenrechte aus. Als Grafen sind Angehörige ihres Geschlechts allein im Eifelgau zu finden. Die Reihe der Grafen von Are beginnt mit Theoderich, der in Urkunden der Jahre 1087 bis 1126 erscheint. Zur gleichen Zeit war ein Sigewin von Are Erzbischof von Köln (1079 – 1089). Herkunft und Abstammung sind allerdings ungeklärt. Nach seinen biographischen Daten kann er ein Onkel Theoderichs gewesen sein.229 Bei seinem ersten urkundlichen Auftreten nannte sich Theoderich noch nach dem Stammsitz seiner Familie Heerlen bei Aachen in der niederländischen Provinz Limburg Theodericus de Herlar.230 Wenig später muss ihm Heinrich IV. das Grafenamt im Eifel-/Zülpichgau übertragen haben. Mit der Einsetzung neuer Grafen aus jüngeren Adelsgeschlechtern verfolgte der König und Kaiser das Ziel, den mächtigen alten Reichsadel zurückzudrängen. In der Zülpicher Grafschaft besaß die Familie umfangreichen Grundbesitz um Steinfeld. Hier hatte 1069 ein Sigebodo das gleichnamige Kloster gegründet, das später den von Are als Hauskloster diente. Theoderich nannte sich nach seiner Ernennung zum Grafen selbstbewusst nach seinem neu errichteten Stammsitz Graf von Are (comes de Hâra).231 Die Burg wird als castellum Ara erstmals 1121 urkundlich erwähnt.232 Theoderich hatte sie auf seinem Alodialbesitz errichtet und dem König als Reichslehen übertragen. Die Urkunde von 1121 regelte den Verkauf des Klosters Steinfeld an den Kölner Erzbischof Friedrich I. (1100 – 1131). Wildbannbezirk der Grafen von Are im heutigen Kreisgebiet bearb. von F.-J. Verscharen
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