Enges Tal und weite Welt

141 Die Erzbischöfe bekommen Konkurrenz Tendenzen zur Ausbildung eines Territorialstaates zeigte aber auch der Adel, der noch im 12. Jahrhundert enge Lehnsbeziehungen zu den Kölner Erzbischöfen gesucht hatte und dabei in den übertragenen Ämtern (Vogteien, Grafschaften) mächtig und mit dem überlassenen Grundbesitz reich geworden war. Als mit der Niederlage Siegfried von Westerburgs (1275 – 1297) in der Schlacht bei Worringen (1288) die Vorrangstellung der Erzbischöfe verloren ging, konnte sich der Territorialstaat im niederrheinischen Raum voll entfalten. Jetzt begann der Aufstieg der Grafen von Berg, Geldern, Jülich und Kleve. Mit der Erhebung zu Herzogtümern (Geldern 1339, Jülich 1356, Berg 1380, Kleve 1417) erhielten sie den gleichen Anteil an der königlichen Gewalt wie ihr ehemaliger Lehnsherr. Erbabsprachen zwischen den vier Herzögen haben in der Folgezeit mehrfach zu Vereinigungen dieser Territorien geführt und 1521 schließlich bis 1609 mit Jülich-Berg-Kleve-Mark-Ravensberg den größten geschlossenen Machtkomplex des gesamten Rheinlandes und stärksten Konkurrenten des Erzstifts entstehen lassen. Eine Ausdehnung seiner weltlichen Macht blieb den Kölner Erzbischöfen damit versagt. Das Erzstift blieb bis zum Ende des alten Reiches in seinem Kern auf einen etwa 100 km langen und 25 km breiten Streifen entlang des Rheins zwischen Andernach und Rheinberg mit einer Fläche von 60 Quadratmeilen (1 Quadratmeile entsprach 55 – 57 km²) beschränkt. Zusammen mit dem Herzogtum Westfalen und dem Vest Recklinghausen bildete es das 130 Quadratmeilen große Kurfürstentum Köln, in dem der Erzbischof am Ende des 18. Jahrhunderts die weltliche Herrschaft über etwa 327.000 Untertanen ausübte. Jedes der beiden Herzogtümer Jülich und Berg war mit 75 bzw. 65 Quadratmeilen größer als das Erzstift. Mit 400.000 Einwohnern überflügelten sie das Kurfürstentum. Der Ausschnitt des im 17. Jhs. entstandenen Gemäldes zeigt die sechs Klever Herzöge, unter denen sich der Machtkomplex Jülich-Kleve-Berg-Mark-Ravensberg formte: (v. l .n. r.) Adolf II. (1373 – 1448, seit 1394 Graf, seit 1417 Herzog von Kleve), Johann I. (1419 – 1481, Herzog von Kleve und Graf von der Mark 1448 – 1481), Johann II. (1458 – 1521, Herzog von Kleve und Graf von der Mark 1481 – 1521), Johann III. (1490-1539, seit 1511 Herzog von Jülich-Berg, seit 1521 Herzog von Kleve und Graf von der Mark), Wilhelm V. (1516 – 1592, Herzog von Jülich-Kleve-Berg, Graf von der Mark und Ravensberg 1539 – 1592, Herzog von Geldern 1538 – 1543) und Johann Wilhelm (1562 – 1609, 1574 bis 1585 und 1592 – 1609 Herzog von Jülich-Kleve-Berg, Graf von der Mark und Ravensberg) Städtisches Museum Haus Koekkoek, Kleve

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