16 im Laufe der vergangenen 25 Jahre erlebten Fortschritte. Dem Sahrbachtal hat er sich auf seinen Reisen bei Kreuzberg genähert. Kreuzberg und Altenahr galten ihm als „die wundervollsten Stellen an dem ganzen Strom“. Nur beiläufig spricht er mit verklärendem Blick auf die Zeiten Karls des Großen davon, „wie sehr dieses Land verändert worden ja verschlechtert worden ist.“ Der in Bonn geborene Karl Simrock hatte noch bei Ernst Moritz Arndt studiert. Auch er war später ein Opfer der Demagogenverfolgung geworden. Ein Lobgedicht auf die französische Juli-Revolution hatte ihn 1830 sein Amt als Richter am Kammergericht in Berlin gekostet. Seit 1832 lebte er wieder in Bonn, wirkte als Übersetzer und veröffentlichte unter anderem die altdeutschen Volksbücher, Märchen- und Sprichwörtersammlungen. Ihm verdanken wir die Übersetzung des Nibelungenlieds und die Übertragung der Gedichte Walthers von der Vogelweide. Weite Verbreitung fanden seine 1839 erstmals erschienen Deutschen Volksbücher. Bereits in seinen Studienjahren hatte ihn seine Begeisterung für die damals wiederbelebte Sagen- und Märchenliteratur an Rhein, Ahr und in die Eifel geführt. Hier fand er eine unerschöpfliche Quelle volkstümlicher Sagen, Märchen und Legenden. Einen kritischen Blick auf die dort herrschende Armut sucht man bei ihm aber vergeblich. Ebenfalls aus Bonn stammte Gottfried Kinkel. Er hatte dort 1831 das Studium der evangelischen Theologie aufgenommen. 1834 wechselte er nach Berlin. Seit 1837 war er als Dozent für Kirchengeschichte, seit 1846 als Professor für Kunst- und Literaturgeschichte an der Universität in Bonn tätig. An der demokratischen Bewegung von 1848 beteiligte er sich zunächst als Redakteur der Bonner Zeitung, 1849 nahm er schließlich aktiv am badisch-pfälzischen Aufstand teil. Seiner Gefangennahme folgte das Todesurteil, das schließlich in eine lebenslange Festungshaft umgewandelt wurde. 1850 gelang ihm mit Hilfe seines Freundes Carl Schurz die Flucht aus dem Gefängnis in Spandau. Beide flohen nach London und Paris, später dann weiter in die USA. In seinem Londoner Exil übernahm Kinkel 1852 eine Professur für Literaturgeschichte. 1866 wechselte er als Professor für Kunstgeschichte nach Zürich. Die Ahrregion hatte er zwischen 1840 und 1843 mehrfach bereist, um „mit der großen wilden Eifelnatur ein paar Tage einsam zu leben.“ Seine Eindrücke hat er in seinem 1846 erstmals erschienenen Reiseführer geschildert. Begleiter hatte er zeitweise in dem Schweizer Kunsthistoriker Jakob Burckhardt (1818 – 1897) und dem Arzt und Schriftsteller Wolfgang Müller von Königswinter (1816 – 1873) gefunden. Beide ließen sich Johann Gottfried Kinkel, geb. 11.8. 1815 in Bonn, gest. 12.11. 1882 in Zürich Porträt von Bernhard Hoefling (um 1850). Druck, Köln, Kölnisches Stadtmuseum
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