17 von der romantisch wilden Kulisse Altenahrs zu einem Gedicht inspirieren, das sie zu Kinkels Buch beisteuerten. Wolfgang Müllers Ballade „Wo sie am höchsten ragen die Felsen der Ahr“ erzählt von einem Ritter, der sich der Gefangenschaft durch einen tödlichen Sprung vom Burgberg entzog.9 Jakob Burckhardt berichtet von Wanderern, die im Gasthaus Caspari einkehren und um Mitternacht ihr Lob auf Altenahr, die Eifel, den Rhein und das Vaterland überhaupt „von Felsenwand zu Felsenwand … dröhnen lassen.“10 Kinkels Reise- berichte begnügen sich dagegen nicht mit romantischer Schwärmerei und mit der Schilderung beeindruckender Natur, Landschaft, Bau- und Kunstdenkmälern, sondern lassen einen offenen Blick für die sozialen Missstände der Zeit erkennen. Die Eifel schildert er als: „rauh und steinig, im Winter durch Schneefall oft viele Wochen vom Flachlande abgeschnitten ... Nur zu Holzwuchs, Bergbau und Metallschmelzen, sonst noch zu Anbau gröberer Getreidearten und zur Viehzucht ... brauchbar ... auf den höchsten Punkten der Hochebene ... dem Anbau ganz verloren.“11 Eine seiner Wanderungen hat Kinkel auch in das Sahrbachtal geführt. Vom Hochthürmen kommend bewunderte er in Kirchsahr zunächst das Altarbild als „Beweis, wie mächtig in dem Jahrhundert vor der Reformation die bildende Kunst auch in Deutschland sich ausgebreitet hatte.“ Dem Wanderer empfahl er als Rückweg zur Ahr: „Von Kirchsahr verfolgt man denn auf einem Wege, der nicht mehr zu verfehlen ist, das muntere forellenreiche, von den allwärts zuströmenden Bächen geschwellte Flüßchen durch ein anmutiges Wiesental zwischen grünen Laubhöhen, bis man nach fast zweistündigem Marsch mit ihm an der Ahr in Kreuzberg wieder anlangt.“12 Der Weg führte Gottfried Kinkel über den Hasenberg (rechts) weiter zum Hochthürmen (links) Foto: F.-J. Verscharen (2015) Wolfgang Müller von Königswinter, eigentlich Peter Wilhelm Karl Müller, geb. 15.3. 1816 in Königswinter, gest. 29.6. 1873 in Bad Neuenahr, Arzt, Politiker und Dichter patriotischer Lyrik, beliebter Volkslieder und Sagen Holzschnitt, 19. Jh. Stadtmuseum Düsseldorf, 2138
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