Enges Tal und weite Welt

177 Das Erzbistum Köln in der frühen Reformationszeit Die Reformation hatte das Erzbistum bereits Anfang 1519 erreicht.351 Zunächst befassten sich aber nur die Gelehrten der Kölner theologischen Fakultät mit den Thesen Martin Luthers und fällten im August des Jahres ein Verdammungsurteil darüber. Zusammen mit anderen Gutachten bildete es die Grundlage für die von Luthers schärfstem Gegner, Johannes Eck, verfasste päpstliche Bulle, die unter Androhung des Kirchenbanns den Widerruf von 41 Thesen forderte. Noch bevor Luther am 10. Dezember 1520 mit der öffentlichen Verbrennung der päpstlichen Bannbulle den Bruch mit der katholischen Kirche vollzog, brannten seine Schriften in Löwen, Lüttich und am 12. November 1520 auf dem Domhof in Köln vor den dort versammelten Spitzen der Universität, dem Domkapitel und dem Stadtrat. Im folgenden Jahr unterdrückte der Rat die Predigten des Kölner Augustiner-Eremiten und Lutherschülers Augustin Himmel. Die Position der Wiedertäufer vertrat in Köln um 1523 der Jurist Gerhard Westerburg. Er war der Schwager von Andreas Karlstadt, der ursprünglich zu den Wittenberger Reformatoren zählte, dessen Positionen dann aber mehr denen des Züricher Reformators Ulrich Zwingli und des Genfers Johannes Calvin entsprachen. Aus der Züricher und der Genfer Reformation ging die Reformierte Kirche hervor. Einen weiteren reformatorischen Ansatz vertrat Theodor Fabricius. Er hatte zuvor bei Philipp Melanchton studiert und vertrat nun die Lehre Luthers in seinen Vorlesungen an der Kölner Universität. Daraufhin sprach der Rat ein Vorlesungsverbot gegen ihn aus. Verständlicherweise erwies sich auch Erzbischof Hermann von Wied als strenger Gegner der neuen Lehre.352 Seine Haltung verschärfte sich, als 1525 der Bauernkrieg Johannes Eck, eigentlich Johannes Mayer, geb. am 13.11. 1486 in Eck a.d. Günz, gest. am 15.2. 1543 in Ingolstadt, katholischer Theologe (seit 1510 Professor an der Universität Ingolstadt), Gegner Martin Luthers Kupferstich von Peter Weinher d.Ä. (1572) München, Staatliche Graphische Sammlung, Inventar-Nr. 121593 D Andreas Rudolf Bodenstein, auch: Andreas Rudolff-Bodenstein von Karlstadt, geb. 1480 oder 1482 in Karlstadt, gest. am 24.12. 1541 in Basel Porträt aus einem Basler Gedenkblatt von 1541/42 Adolf Clarenbach, geb.um 1497 in Lüttringhausen (Remscheidt), gest. am 28.9. 1529 in Köln, seit 1523 als Lehrer Anhänger der Reformation in Münster und Wesel, seit 1525 in Osnabrück, Büderich und Elberfeld Johann Klopreiss, geb.um 1500 in Bottrop, gest. am 1. 2. 1535 in Brühl, 1518 – 1521 Studium in Köln, Priester in Wesel, Bislich und Büderich, 1528 zu lebenslanger Haft verurteilt, nach der Flucht Kaplan in Wassenberg/Kreis Heinsberg, seit 1532 bei den Wiedertäufern in Münster, 1534 Festnahme und Hinrichtung

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