Enges Tal und weite Welt

18 Den entgegengesetzten Weg wählte etwa 20 Jahre später der Lehrer und Botaniker Philipp Wilhelm Wirtgen (1806 – 1870). Er war in gleicher Weise von der Natur des Sahrbachtals eingenommen und bestaunte das Altarbild in der Pfarrkirche, spürte aber auch die Armut und Enge: „Das Sahrtal bietet manche interessanten Parthieen dar. Man wandert durch Burgsahr und Rinzenbach (!) und erreicht in fast zwei Stunden das ärmliche Dorf Kirchsahr mit seinen zerstreuten Häuschen und einer unansehnlichen Kirche, die aber einen sehr bedeutenden Kunstschatz, ein Altarbild der altdeutschen Schule, enthält.“13 Die Zukunft des Sahrbachtals Der Weg ist durch die Anstrengungen des Freundeskreises bequemer geworden, die Schönheit des Tals ist dagegen unverändert erhalten geblieben. Seine natürliche, ökologisch intakte Landschaft kann sich mit den schönsten Regionen des Landes messen. Von den rheinischen Ballungszentren aus leicht erreichbar, zentral in einem sich neugestaltenden Europa gelegen und verkehrsmäßig gut erschlossen, kann die Eifel in eine glänzende Zukunft als touristisches Zentrum schauen. Dabei wird ihr insbesondere das inzwischen gewandelte Verständnis von Tourismus zugutekommen, der sein Augenmerk nicht mehr auf spektakuläre Attraktionen richtet, sondern Anreize zum eigenen Entdecken bietet. Schon 1985 befasste sich der Gemeinderat mit dem Konzept eines sanften Tourismus; Bürger begannen mit dem Aufbau eines Wanderwegenetzes. Erneut nahm sich seit 2003 der Freundeskreis Sahrbachtal dieser Aufgabe an, richtete sein Augenmerk aber von Anfang an auf die generationsübergreifende Belebung, Förderung und Unterstützung soziokultureller Aktivitäten und Veranstaltungen in der Region des Sahrbachtals. Umweltschutz, Landschaftspflege und Denkmalschutz sind ebenso Schwerpunkte seiner Arbeit geworden wie die Förderung von Brauchtum, Kunst und Kultur. Seine Unterstützung fanden Projekte der Jugend- und Erwachsenenbildung, der Jugendarbeit und der Altenhilfe im Sinne der verstärkten Einbeziehung der älteren Generation in das soziale und kulturelle Leben. Kirchsahr und das Sahrbachtal erscheinen bereits heute in einem neuen Licht. Die früher oft gerügte Weltfremdheit der Eifelbewohner ist weitgehend einer Offenheit gewichen, die die als erhaltens- und schützenswerte erkannte Heimat Gästen eröffnet. So bieten sich allen Interessierten Einblicke in Geologie, Botanik, Biologie, Landes- und Kunstgeschichte. Auf diese Weise will sich auch diese Arbeit dem Sahrbachtal nähern. Sie versteht sich Gegen Ende der 1920er Jahre zog es die ersten Feriengäste nach Kirchsahr. Sie brachten allerdings Neuerungen mit, die dem Pfarrer überhaupt nicht recht waren. Gegen die „...immer weiter um sich greifende sittenlose Frauenmode...“ wandte er sich 1930 mit einem Anschlag an die Kirchentür, der „...ungeziemend Gekleideten den Zutritt zur Kirche verwehrte…“. Eine Bedrohung der Einheimischen Bevölkerung sah er auch im „...Versuch einiger Sommergäste, mit bloßer Badehose oder nur Unterkleidern (Damen) bekleidet, dicht beim Ort Sonnenbäder zu nehmen...“. Als der Ortsvorsteher im folgenden Jahr plante, den Sahrbach an mehrerern Stellen zu Brandweihern aufzustauen, sah er darin nichts anderes als den Versuch „...eine Art Strandbad zu errichten...“. Pfarrarchiv Kirchsahr, Nr. 43, S. 129.

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