Enges Tal und weite Welt

182 Der Reformationsversuch des Kölner Erzbischofs Hermann von Wied358 Etwa zur gleichen Zeit hatte sich beim Kölner Erzbischof Hermann von Wied die Einsicht durchgesetzt, dass der fortschreitende Verfall der Kirche nur noch durch tiefgreifende Reformen aufzuhalten war. Seit 1540 bemühte er sich intensiv um eine Vermittlung zwischen den Anhängern der neuen Lehre und den Katholiken, fand aber bei Papst, Kaiser, Klerus und den katholischen Fürsten kein Gehör. Als 1541 das von vielen Bischöfen dringend geforderte Konzil erneut verschoben wurde, gab der Erzbischof seine innerkirchlichen Reformversuche auf und strebte eine evangelische Reformation des Erzstifts an. Von außen bekam er Unterstützung durch Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. Die in seiner Hand vereinigten Herzogtümer machten zusammen mit der Grafschaft Mark den größten Teil der Kölner Erzdiözese aus. Nach der Niederlage des Herzogs im Geldrischen Erbfolgekrieg (1538 – 1543) musste der Herzog im Vertrag von Venlo aber auf die Einführung der Reformation in seinen Landen verzichten und fiel damit schon früh als Verbündeter aus. Die Menschen der Nord- und Westeifel hatten in diesem Krieg zum ersten Mal schwere Verwüstungen hinnehmen müssen. Hermann von Wied fand einen engen Berater in dem Straßburger Reformator Martin Bucer. Die weltlichen Stände des Landtags stimmten seinem Programm im März 1543 zu. In den ersten Maitagen traf Philipp Melanchton in Bonn mit Bucer zusammen, um die Grundlagen der Reformation auszuarbeiten. Unter Mitwirkung des Erzbischofs entstand die Schrift „Einfaltiges Bedenken“, über die der Landtag in Juli 1545 beriet.359 Wieder stimmten Grafen, Ritterschaft und Städte zu. Der Erfolg war möglich geworden, weil das Domkapitel seit Dezember 1544 Hermann von Wied, geb. am 14.1. 1477, gest. am 15.8. 1552 auf Burg Altwied, 1483 dem Kölner Domkapitel zur Erziehung übergeben und Domherr zu Köln, 1515 – 1547 Erzbischof von Köln, 1532 – 1547 auch Fürstbischof von Paderborn J. Schäfer, Ökumenisches Heiligenlexikon. Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg (gen. der Reiche), geb. am 28.7. 1516 in Düsseldorf, gest. am 5.1. 1592 in Düsseldorf, regierte seit 1539 Holzbüste, Zitadelle Jülich Foto: Werner Frings

RkJQdWJsaXNoZXIy MTM5Mjg=