Enges Tal und weite Welt

183 in sich gespalten war. Zum Zentrum der Reformation wurde die kurfürstliche Residenz Bonn. In allen Kirchen der Stadt reformierte Bucer den Gottesdienst. Die Messe wurde in deutscher Sprache gefeiert, beim Abendmahl Brot und Wein ausgeteilt. Die Franziskanermönche des Minoritenklosters wurden von ihren Gelübden entbunden und zogen als Prediger in die benachbarten Orte. Auch die Städte Andernach und Linz stellten sich hinter den Erzbischof. Der Rat von Köln nahm dagegen aus Sorge um die Reichsunmittelbarkeit der Stadt die Position des Domkapitels ein. Mit dem Wechsel in das reformatorische Lager hätte der Erzbischof nämlich nur seine kirchlichen Ämter, nicht aber seine Stellung als Kurfürst verloren. Das Erzstift wäre ein erbliches Fürstentum geworden, das mit Hilfe der gleichgesonnenen Fürsten die 1288 gegenüber dem erzbischöflichen Stadtherrn gewonnene Freiheit Kölns leicht hätte rückgängig machen können. Entscheidend für das Scheitern des Reformationsversuchs wurde schließlich seine reichspolitische Bedeutung. Ein Erfolg hätte dem Lager der Reformationsbefürworter die Mehrheit im Kolleg der sieben Kurfürsten verschafft und bei der nächsten Wahl ein Ende der mehr als einhundertjährigen Königsherrschaft der Habsburger bedeutet. Der Papst hätte seinen wichtigsten machtpolitischen Rückhalt verloren. Die Reformationspläne des Erzbischofs wären auch für das Stift Münstereifel zur Existenzfrage geworden. Die alten Pfarrrechte, Einkünfte und weltlichen Befugnisse waren in Gefahr. Der Fortbestand der geistlichen Gemeinschaften wurde überhaupt als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Eine direkte Einflussnahme auf die reformatorischen Ereignisse blieb den Münstereifeler Stiftsherren aber versagt, denn im Erzstift war die Geistlichkeit allein mit dem Domstift im Landtag vertreten. Dagegen muss zu jener Zeit auch der damalige Herr von Burgsahr bei den Beratungen des Landtags anwesend gewesen sein. Seit 1530 war es gemeinsames Erbe der vier Brüder Konrad, Johann, Gerhard und Ludwig. Wahrscheinlich ist, dass zunächst der älteste Bruder, Konrad, den Sitz im Landtag eingenommen hat. Erst mit dem Teilungsvertrag von 1551 fiel Burgsahr mit Gericht und Hoheitsrechten und der mit der Burg verbundene Sitz im Landtag an seinen jüngeren Bruder, Johann Blankart. Seit 1544 gingen die Reformgegner mit Gegenschriften in die Offensive. Als ihr führender Vertreter trat Johannes Gropper auf. Seit 1525 war er Leiter (Offizial) der erzbischöflichen Gerichtsbehörde und wirkte von 1526 bis 1542 in seinem Amt als Martin Bucer, geb. am 11.11. 1491 in Schlettstadt (Elsaß), gest. am 1.3. 1551 in Cambridge, Dominikaner, bedeutender Theologe der Reformation vor allem in Straßburg und dem Elsaß, 1521 aus dem Orden entlassen, 1523 vom Papst gebannt Stich von René Boyvin (1525-1598) aus der Bibliotheque de l'Histoire du Protestatisme, Paris (um 1544)

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