188 Rückkehr zum katholischen Glauben. Büllingen war damals noch Pfarrer von Kirchsahr und galt als ausgewiesener Vertreter der katholischen Lehre. Man wird daher annehmen dürfen, dass Kirchsahr sich am Anfang des 17. Jahrhunderts fest in katholischer Hand befand. Die Veränderungen, die die Nachbarpfarre in den vorausgegangenen sechs Jahrzehnten erlebt hatte, konnten den Bewohnern des Sahrbachtals kaum verborgen geblieben sein. Besuche von Gottesdiensten oder Dorffesten im Nachbarort, verwandtschaftliche oder berufliche Beziehungen werden auch damals über die Pfarr- und Landesgrenzen hinweg zum Austausch von Informationen und Meinungen geführt haben. Sie konnten nicht ohne Einfluss auf die jeweils andere Dorf- und Pfarrgemeinschaft bleiben. Dies deutet sich schon in einem Bericht an, den jülische Räte 1560 über eine zweite, vom Herzog angeordnete Visitation in Effelsberg verfasst haben. Sie waren am 24. Februar dort eingetroffen und hatten zunächst den Schöffen Johann Schur und den Kirchenmeister Symon uf Effelsberg befragt. Beide berichteten über den seit 1556 an ihrer Kirche tätigen Geistlichen Hupert von Gerhardstein (Gerolstein). Die Priesterweihe hatte er nach seinem vierjährigen Studium in Trier und einem weiteren Jahr in Emmerich 1554 in Lüttich empfangen. Das Visitationsprotokoll nennt ihn Rektor und weist ihn damit als den im Auftrag des Pfarrherrn vor Ort tätigen Geistlichen aus. Pfarrer von Kirchsahr muss der schon 1536 genannte Stiftsherr Peter Fabri gewesen sein. Sein Amt als Dekan wird ihm aber seit 1545 kaum mehr Zeit gelassen haben, sich selbst um die Belange seiner Pfarrgemeinde zu kümmern. Ihm scheint dadurch aber auch entgangen zu sein, dass sein Amtsverwalter inzwischen Neuerungen eingeführt hatte, die auf eine deutliche Nähe zum Protestantismus schließen lassen. Die Befragten berichteten: „Lehrt wol aber singt under der messen den glauben und etliche psalmen ufs teutsch ...und ferner Teuft ufs teutsch...“ Gegen den Inhalt seiner Predigt gab es demnach keine Einwände. Unbehagen erregte aber, dass der Priester während der Messe beim Glaubensbekenntnis und beim Singen einiger Psalmen die deutsche Sprache benutzte und auch die Taufformel in Deutsch sprach. Ebenso erregten einige der im Pfarrhaus gefundenen theologischen Schriften die Aufmerksamkeit der Visitatoren. Dazu zählten Caspar Huberinus, geb. am 21.12. 1500 in Stotzard bei Augsburg, gest. am 6.10. 1553 in Oehringen, studierte seit 1522 in Wittenberg, lutherischer Theologe, seit 1525 Prediger in Augsburg Antonius Corvinus, eigentlich Antonius Rabe, geb. am 11.4. 1501 in Warburg, gest. am 5.4. 1553 in Hannover, theologischer Berater Landgraf Philipps von Hessen Holzschnitt, 1546
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