190 Der Reformationsversuch des Kölner Erzbischofs Gebhard Truchseß von Waldburg in den Jahren 1577 bis 1588364 Gebhard stammte aus der Familie der Reichstruchsesse von Waldburg und hatte, ohne zum Priester geweiht zu sein, vor seiner Wahl bereits Dompfründen in Augsburg, Straßburg und Köln inne. Er gehörte damit zu den Vertretern des hohen Klerus, die ihre geistlichen Ämter allein als materielle Grundlage eines sonst sehr weltlichen Lebens verstanden. Die Priesterweihe erhielt er erst im März 1578, drei Monate nach seiner Wahl. Das Domkapitel hatte sich mit seiner äußerst knappen Entscheidung gegen die Wünsche des Papstes, des Kaisers und spanischen Königs und gegen die Mehrheit der Kurfürsten gestellt. Diese hatten die Wahl des Wittelsbachers Ernst von Bayern unterstützt, um damit den politischen Einfluss der Großmächte Bayern und Österreich im Nordwesten des Reiches und an der Grenze zum Herrschaftsbereich der spanischen Habsburger zu stärken. Dennoch belehnte ihn Kaiser Rudolf II. im April mit dem Kurfürstentum und nahm ihn in das Kurfürstenkolleg auf. Der Papst zögerte die Einsetzung in das geistliche Amt jedoch bis zum März 1580 hinaus. Zu dieser Zeit unterhielt der Erzbischof bereits ein Verhältnis zu der protestantischen Stiftsdame Agnes von Mansfeld. Mehr unter dem Druck ihrer Brüder und unter dem Einfluss der calvinistischen Grafen von Solms und von Nassau als von religiösen Motiven geleitet, vollzog Gebhard im Dezember 1582 seinen Übertritt zum Protestantismus. Den mit diesem Schritt verbundenen Verlust des geistlichen Amtes scheint er bewusst in Kauf genommen zu haben. Das Erzstift Köln wäre nach seiner Meinung nicht Gebhard Truchseß von Waldburg, geb. am 10.11. 1547 in Heiligenberg, gest. am 31.5. 1601 in Straßburg, studierte in Dillingen, Ingolstadt, Lewen und Perugia Gemälde von Hermann tom Ring (1579) Kölnisches Stadtmuseum Ernst von Bayern (1583 – 1612) Dominicus Custos, Atrium heroicum Caesarum, regum (um 1600 – 1602)
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