Enges Tal und weite Welt

192 dann gab er sich geschlagen. Gebhard übersiedelte nach Straßburg und wurde protestantischer Domdechant am Hofe des Herzogs von Württemberg. Er starb 1601 in Straßburg und wurde im dortigen Münster beigesetzt. Das siegreiche Haus Wittelsbach sollte das Erzstift für die folgenden 177 Jahre als Sekundogenitur innehaben. Mit dieser Rechtskonstruktion sicherten fürstliche Häuser ihren zweitgeborenen Söhnen eine bestimmte Erb- oder Vermögensfolge bzw. die Anwartschaft auf bestimmte Herrschafts- und Amtsstellungen, ohne dass das eigentliche Hausvermögen geschmälert wurde. Erst mit dem Tod des 1723 gewählten Clemens August I. brach 1761 die Reihe der Erzbischöfe aus dem Hause Wittelsbach ab. Am Ende der Auseinandersetzungen blieb ein Land zurück, dessen Dörfer vielerorts ausgeplündert und niedergebrannt waren, dessen Städte ihre Wirtschaftskraft eingebüßt hatten und dessen Bevölkerung durch Mord und Seuchen dezimiert war. Die wenigen evangelischen Gemeinden, die sich auch am Nordrand der Voreifel gebildet hatten366, waren in den Wirren untergegangen. Für das Erzbistum begann eine Zeit, die von Verfolgung der Protestanten und Abgrenzung zur evangelischen Lehre, verstärkter kirchlicher Kontrolle und von Intoleranz geprägt war. Clemens August I., geb. am 16.8. 1700 in Brüssel (Sohn des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern), gest. 6.2. 1761 auf Schloß Philippsburg in Ehrenbreitstein, 1716 – 1719 Bischof von Regensburg, seit 1719 Fürstbischof von Münster und Paderborn, 1722 Koadjutor, 1723 Erzbischof von Köln, 1724 Fürstbischof von Hildesheim, 1728 Fürstbischof von Osnabrück, seit 1732 Hochmeister des Deutschen Ordens Das Gemälde zeigt den letzten Kölner Kurfürsten aus dem Haus Wittelsbach mit allen Zeichen seiner geistlichen und weltlichen Herrschaft: Über seinem scharlachroten bischöflichen Ornat trägt er der Kurmantel mit großem Hermelinkragen, neben ihm steht der Kurhut auf dem erzbischöflichen Pallium, dahinter die Mitra; das bischöfliche Pektorale auf seiner Brust verweist in seiner besonderen Form auf seine Stellung als Hochmeister des deutschen Ordens. Kopie eines Gemäldes von [Georges Desmarées], Privatbesitz Foto: F.-J. Verscharen

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