Enges Tal und weite Welt

195 Klimaverschlechterung von 1400 bis 1510 (Spörer-Minimum). Die Jahre 1645 – 1715 untersuchte der englische Astronom Edward Walter Maunder (1851 – 1928). Nach ihm wurde diese Phase später Maunderminimum benannt. Die Durchschnittstemperatur jener Jahre unterschied sich von der heutigen zwar nur um wenig mehr als zwei Grad, die unmittelbaren und langfristigen Folgen dieser Klimaverschlechterung bewirkten aber starke Veränderungen in allen Lebensbereichen. Europa erlebte jetzt lange, kalte Winter. Bekannt sind die Gemälde niederländischer und englischer Maler mit winterlichen Szenen auf zugefrorenen Flüssen und Kanälen. Ausnahmslos stammen sie aus der Zeit von 1565 bis 1640. Immer häufiger traf der Frost im Frühjahr die Blüte und kühle, niederschlagreiche Sommer ließen das Getreide auf dem Halm faulen. Missernten, Hungersnöte und seit der Mitte des 14. Jahrhunderts schließlich die großen Seuchen Pest, Ruhr und Typhus waren die unabwendbaren Folgen. Existenzängste bestimmten immer mehr das Gefühlsleben der Menschen und ließen lang aufgestaute soziale, religiöse und weltliche Spannungen zum offenen Ausbruch kommen. In den Hexenverfolgungen, die seit der Mitte des 16. Jahrhunderts in großem Maße wieder aufflammten, fanden sie einen ihrer schlimmsten Auswüchse. Nicht selten stand am Anfang eines Hexenprozesses der Vorwurf des Wetterzaubers.

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