Enges Tal und weite Welt

212 Eifel selbst zum Kriegsschauplatz.377 Schon 1587 nahmen niederländische Truppen die Nürburg ein und fielen nach der Einnahme Bonns plündernd in das Land um Ahrweiler ein. Im März 1589 folgten die Spanier, die Neuenahr, Gelsdorf, Wadenheim und Heimersheim plünderten. Bei ihrem Rückzug nahmen sie allein hier 8.000 Schafe, 1.500 Stück Vieh und Güter im Wert von 24.000 Talern mit. Selbst das Sahrbachtal wurde dabei trotz seiner Randlage wenigstens einmal direkt von feindlichen Truppen heimgesucht. Im September 1673, als holländische Truppen während des Französisch-niederländischen Krieges (1671 – 1679) erneut vor Rheinbach und Ahrweiler standen, berichteten Schultheiß und Schöffen von Kirchsahr und Freisheim an die kurfürstliche Verwaltung über einen Überfall niederländischer Truppen, der etwa 70 Jahre zurücklag.378 „Hollendische Völcker“ hatten bei ihrem Durchmarsch aus der Pfarrkirche in Kirchsahr eine goldene Monstranz und einen goldenen Kelch, ein seidenes Messgewand und sonstigen Zierrat geraubt, Mitbewohner gefangen genommen und zur Herausgabe ihrer letzten Habseligkeiten gezwungen und neun Pferde beschlagnahmt. Auch drei Generationen später scheinen die nachteiligen Wirkungen noch nicht überwundenen und tief im Bewusstsein der Dorfbewohner verhaftet gewesen zu sein. Nun sollten die niederländischen General-Staaten den Schaden begleichen. Die Folgen des Kriegs waren noch spürbar, als die Eifel im Streit um die Erbschaft des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg erneut zum Aufmarschgebiet wurde. Besonders Sachsen, Brandenburg und Pfalz-Neuburg machten Erbansprüche geltend. In Erwartung des damit verbundenen Machtzuwachses waren alle Beteiligten bereit, ihre Ziele mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Der Kurfürst von Köln versprach sich von dieser Auseinandersetzung die Übernahme der Grafschaft Neuenahr. Der von 1609 bis 1614 um die Erbschaft geführte Krieg wurde als „Jülisch-Klevischer Erbfolgestreit“ bekannt. Hinter den streitenden Parteien standen die beiden großen Lager, die sich am Vorabend des Dreißigjährigen Kriegs im Deutschen Reich herausgebildet hatten. Die protestantischen Fürsten hatten sich 1608 zur Union zusammengeschlossen, im folgenden Jahr hatte sich als Reaktion darauf die katholische Liga formiert. Die Liga führte der Deutsche Kaiser aus dem Hause Habsburg, die Union hatte die Unterstützung des französischen Königs gefunden. Die im Frieden von Xanten vereinbarte Teilung des herzoglichen Erbes zwischen dem calvinistischen Kurfürsten von Brandenburg und dem katholischen Pfalz-Neuburg konnte den sich bereits abzeichnenden internationalen Konflikt vorerst verhindern. Brandenburg erhielt das Herzogtum Kleve und die westfälischen Grafschaften Mark und Ravensberg, der Kurfürst von der Pfalz die beiden Herzogtümer Jülich und Berg. Aber noch zwei Jahre nach dem Friedensschluss hielten sich spanische Truppen an der unteren Ahr auf. 1616 bemächtigten sie sich sogar noch einmal der Burg Landskron. Der Dreißigjährige Krieg379 Das politische Kräfteverhältnis in Europa blieb weiterhin gestört. Eher unbedeutende Anlässe konnten so zum Anlass für eine Reihe von Kriegen werden, die man heute unter dem Begriff „Dreißigjähriger Krieg“ zusammenfasst. Weite Gebiete Mitteleuropas

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