Enges Tal und weite Welt

215 Dreißigjährige Krieg brachten. Frankreich hatte mit dem am 5. Februar 1679 in Nimwegen geschlossenen Friedensvertrag seine Vorrangstellung in Europa ausbauen können und beanspruchte jetzt alle Gebiete, die jemals in irgendeinem Lehnsverhältnis zu Frankreich gestanden hatten. Der Anspruch sollte selbst für die im Westfälischen Frieden zugesprochenen Territorien gelten. Vom König eingesetzte Kammern stellten seit Ende 1679 die Zugehörigkeit dieser Gebiete zum Königreich fest. Sie wurden daraufhin militärisch besetzt und mit Frankreich wiedervereint (reuniert). Betroffen waren zunächst das Elsass und Lothringen, 1681 die Reichsstadt Straßburg und schließlich Gebiete an der Saar. Aus dem Erbe seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz (1652 – 1722) erhob Ludwig XIV. schließlich Ansprüche auf die Pfalz. Die französischen Annexionen der Pfalz und weiterer linksrheinischer Gebiete erreichten 1688 auch die Mosel, den Mittelrhein, die Eifel und das Ahrgebiet bei Sinzig und Remagen. Gegen den Vorstoß Frankreichs an den Rhein bildete sich erst zu Anfang des Jahres 1689 ein Bündnis von Kaiser und Reich mit Spanien, Holland und England. Der Kölner Kurfürst hatte sich dagegen auf die Seite Frankreichs gestellt. Die „Reunionskriege“ trafen zunächst den Niederrhein, aber 1688 auch bereits Ahrweiler, das nach dem Fall der Stadtmauer von französischen Truppen besetzt wurde. Am 1. und 2. Mai 1689 ging Ahrweiler in Flammen auf. Auch die Burgen Kreuzberg, Nürburg, Olbrück und Rheineck wurden zerstört. Im folgenden Jahr brannten die Franzosen die Orte im nördlichen Kreisgebiet (Altenahr, Beller, Bengen, Birresdorf, Eckendorf, Gelsdorf, Holzweiler, Karweiler, Lantershoven, Leimersdorf, Niederich, Oeverich, Ringen und Vettelhoven) und in der Nachbarschaft Altendorf, Arzdorf, Fritzdorf, Meckenheim und Wormersdorf nieder. Einen Monat zuvor hatten sie die Burgen Brühl, Lechenich, Kerpen, Münstereifel und Zülpich gesprengt. In der Saffenburg lag seit 1689 eine kurtrierische Besatzung. Die Burg Altenahr wurde von den Franzosen belagert und im folgenden Jahr eingenommen. Sie blieb bis 1697 in ihrer Hand, erst dann brachte der Frieden von Rijswijk den Abzug. In allen besetzten Orten erhoben die Franzosen unter Androhung von Plünderung Geldleistungen (Contributionen). Die geplünderten und besetzten Orte, darunter auch die der beiden Unterherrschaften des Sahrbachtals, fielen zugleich für die kurkölnische Steuerkasse aus.382 Der Spanische Erbfolgekrieg (1701 – 1714)383 Der Vertrag von Rijswijk hatte die Frage der Erbschaft nach dem Tod des letzten in Spanien regierenden Habsburgers offengelassen. Der Fall trat am 1. November 1700 ein. Nun erhoben die österreichischen Habsburger und der französische König Ludwig XIV. gleichberechtigte Ansprüche auf den spanischen Thron. Für beide Seiten hätte das spanische Erbe die Vormachtstellung in Europa bedeutet. Als dritter Anwärter trat der bayerische Kurfürst Max Emanuel auf, der als Generalgouverneur der spanischen Niederlande eigene Interessen im Westen des Reiches verfolgte. Ludwig XIV. griff noch im November einer einvernehmlichen Regelung mit der Proklamation seines En-

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