219 Neuordnung der Kräfteverhältnisse in Europa Der Polnische Thronfolgestreit (1733 – 1735) und der Österreichische Erbfolgekrieg (1740 – 1748) Das militärisch mächtig gewordene Brandenburg/Preußen konnte sich nun selbst an den Auseinandersetzungen der europäischen Großmächten um die Vorherrschaft in Europa beteiligen. Im Spanischen Erbfolgekrieg hatte der Kurfürst von Brandenburg, der seit 1701 auch die Königswürde in Preußen innehatte, seine Truppen noch gegen Geldzahlungen (Subsidien) der Allianz aus Österreich, England und den Niederlanden im Kampf gegen Frankreich und Spanien überlassen. Im Streit der europäischen Großmächte um die Neuwahl des polnischen Königs trat Preußen aber bereits als eigenständige Kriegspartei auf. Preußische und verbündete dänische Truppen zogen damals durch die Eifel zum Niederrhein. Zur gleichen Zeit erhob Brandenburg/Preußen für den Fall des Aussterbens der Wittelsbacher Linie Pfalz-Neuburg Ansprüche auf die Herzogtümer Jülich und Berg, musste diese aber 1738 unter dem Druck der gegnerischen Großmächte aufgeben. Stattdessen nutzte der junge König Friedrich II. die mit dem Tod Kaiser Karls VI. entstandene unsichere Situation, um sich in den beiden Schlesischen Kriegen (1740 – 1742, 1744 – 1745) des habsburgischen Schlesiens zu bemächtigen. Zu den Verbündeten Preußens gehörten u.a. Bayern und Kurköln, denen an einer Schwächung des Habsburger-Reiches gelegen war. Der Siebenjährige Krieg (1756 – 1763) In den Kreis der europäischen Großmächte trat Preußen endgültig mit dem Siebenjährigen Krieg. Im Bündnis mit England und dem seit 1714 damit in Personalunion verbundenen Kurfürstentum Hannover kämpfte Preußen um die Vorherrschaft in Mitteleuropa. Gegner waren u.a. die Habsburger Monarchie, Frankreich, Russland, das Kurfürstentum Sachsen, sowie die Königreiche Schweden, Spanien, Neapel und Sizilien. Kurfürst Clemens August hatte sich dem Kaiser angeschlossen und stellte Truppen zur Reichsarmee. Das Rheinland blieb zwar von Kampfhandlungen weitgehend verschont, aber wieder brachten Truppendurchmärsche, Einquartierungen und Plünderungen schwerste Belastungen. Großbritanien und Frankreich strebten in diesem Krieg zugleich nach der Ausdehnung ihrer Kolonialherrschaft in Nordamerika, Indien und der Karibik und der Stellung als führende Seemacht. England fand auf dem europäischen Kriegsschauplatz durch den Einsatz hannoveranischer Truppen Entlastung, das jetzt in Nordamerika bedrängte Frankreich verbündete sich im Gegenzug mit verschiedenen Indianerstämmen. Die Ausdehnung der kriegerischen Handlungen über ganz Europa, Asien und Amerika zeigt damit Züge eines Ersten Weltkriegs. Die Friedensschlüsse von 1763 schrieben die zuvor bestehenden Machtverhältnisse fest. Preußen behielt Schlesien und etablierte sich als fünfte europäische Großmacht, Frankreich misslang der Erwerb der Östrereichischen Niederlande (heute Belgien) und
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