Enges Tal und weite Welt

245 Alte und neue Wirtschaftsformen auf dem Land Man sollte sehen und weinen! Ein Jahr nach Übernahme der westlichen Landesteile entsandte die preußische Regierung 1816 den Agrarwissenschaftler Johann Nepomuk von Schwerz (1759 – 1844) in die neu erworbenen Provinzen Westfalen und Rheinland. Er sollte die dortige Landwirtschaft beschreiben und Vorschläge für deren zukünftige Entwicklung erarbeiten. Das Jahr 1816 hatte der Eifel die größte Hungersnot gebracht. Drei Jahre war er unterwegs. Seine 1836 erschienene „Beschreibung der Landwirthschaft in Westfalen und Rheinpreußen“ schildert seine dabei von Land und Leuten gewonnenen Eindrücke, beschreibt die landschaftlichen Besonderheiten und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen. In der Eifel fand er vielfach Arbeits- und Wirtschaftsweisen, die über Jahrhunderte hinweg unverändert geblieben waren. Die extremen geologischen und klimatischen Bedingungen ließen nur wenig Spielraum für Neuerungen: „Der Boden der Eifel ist nicht allenthalben schlecht, er ist nicht verwerflich. Die hohe Lage …, der Hang der Gebirge, die in und über der Erde zerstreuten Steinmassen, die unwegsame und volkleere Gegend bieten ungleich größere Schwierigkeiten dar, als der Boden ... Die Berge, welche nicht zu steil sind, werden auf ihrer Mittagsseite bis zu den Spitzen angebaut. Ich fand irgendwo einen schmalen steilen Abhang, der in förmliche Terassen oder Absätze gelegt war, obgleich der Platz mir so vieler Mühe nicht werth schien. Solcher Terassen soll es häufig da geben, wo die Berge so steil sind, dass der Boden nur mit der Hacke umgemacht und der Dung durch Esel hinaufgeschafft werden kann. So was ist ehrwürdig in den Augen dessen, der Fleiß und Arbeit zu schätzen weiß.“450 Auch unter günstigen Bedingungen war nicht mehr als eine Ernte im Jahr möglich: „Man pflügt in der Regel nur einmal, indem der morsche Boden das öftere Pflügen, welches ihm seinen geringen Zusammenhang benimmt, nicht liebt ... Die Saatzeit des Hafers ist im April. Man braucht 3 Scheffel auf den Morgen. Nach Kartoffeln reicht man mit 2 Scheffeln aus. Bei gehöriger Cultur hat man 25 Scheffel davon zu erwarten.“451 Magere Wiesen setzten der Viehhaltung enge Grenzen. Überschüsse für eine Stallfütterung ließen sich hier nicht gewinnen. Nur Johann Nepomuk Hubert von Schwerz, geb. am 11.6. 1759 in Koblenz, gest. am 11.12. 1844 in Koblenz, Agrarwissenschaftler, 1810 Steuerinspektor in Straßburg, seit 1816 in preußischen Diensten, 1818 Gründungsdirektor der Landwirtschaftlichen Akademie Hohenheim (Württemberg) G. Franz, H. Haushofer (Hrsg.), Große Landwirte. Frankfurt a. M. 1970, S. 80.

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