Enges Tal und weite Welt

247 ländlichen Bevölkerung hätte beitragen können, blieb allein den adeligen Landes- und Grundherren vorbehalten. Rottwirtschaft und Schiffelwirtschaft In den Laubwäldern des Eifel-Hunsrück-Raumes bildeten sich bereits seit dem Frühmittelalter die Rottwirtschaft und in späterer Zeit die Schiffelwirtschaft als landwirtschaftliche Waldnutzungsformen heraus. Beide Formen waren auch im Sahrbachtal üblich und haben ihre Spuren bis in unsere Zeit hinterlassen. Für das Sahrbachtal werden beide Wirtschaftsformen in den Grenzbeschreibungen der Grundherrschaft Kirchsahr von 1576 und 1672 (wildt Rottlandt, Roedtbüschelgen), in den Eingaben gegen die neue Landessteuer von 1602 (wildt Gelendt), 1661 (Rott undt Wildlandt) und in den seit 1740 überlieferten Pachtverträgen der Stiftsländereien in Kirchsahr (wild Landereien)456 fassbar. Bei der Rottwirtschaft wurde ein Wald zunächst für die Gewinnung von Bauholz, Lohe und Holzkohle gerodet und der Rest des Holzes auf der Fläche verbrannt. Die Wurzelstöcke blieben stehen. Zwischen ihnen säte man bis ins 18. Jahrhundert hinein im ersten Jahr fast ausschließlich Hafer, später auch Roggen und bei einer mehrjährigen Nutzung Buchweizen. Nach der meist nur zweijährigen Bestellung konnte aus dem Wurzelstockausschlag wieder ein junger Baumbestand wachsen (Stockwald), der nach etwa 15 – 20 Jahren erneut als Kohlholz diente. Im Laufe der Zeit laugte der Boden jedoch trotz der Branddüngung aus. Über das Stadium eines Niederwaldes kamen diese, nach den beiden ineinandergreifenden Formen der Nutzung Rottbusch oder Kohlhecken genannten Wälder nicht mehr hinaus. Die vom Feuer an den Baumstöcken verursachten Schäden ließ die Bestockung zudem immer lichter werden. Der Anteil der Buchen ging so stetig zurück. Ihren Platz nahmen Eichen ein, die eine höhere Fähigkeit zum Stockausschlag besaßen. Auf Dauer degenerierten die Wälder zu Buschlandschaften und gingen schließlich in offene Heide über. Die Rottwirtschaft dürfte ihren Höhepunkt in der hochmittelalterlichen Rodungsphase erreicht haben. Stockwald am Bitzenberg Foto: F.-J. Verscharen

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