251 Noch heute finden sich am Fuß der Berghänge des Sahrbachtals und seiner Nebentäler in nicht allzu großer Entfernung der dort fließenden Bäche in die Hänge eingegrabene und zur Talseite aufgeschüttete ebene Flächen. Ihr meist ovaler Grundriss misst in der Länge 9 bis 11 Meter und hat eine Breite von 6 bis 8 Metern. Ihr unter der Humusschicht tiefreichend schwarzer Boden und die Anreicherung mit kleinen Holzkohlestücken identifizieren sie als ehemalige Meilerplätze (Meilerplatte). Sie wurden unmittelbar dort angelegt, wo der Holzeinschlag für den Kohlenmeiler stattfand. Sie sollten windgeschützt auf einem zähen, festen Boden liegen, der einen gleichmäßig schwachen Luftzug von unten gestattete. Die Nähe eines Bachlaufs sollte im Notfall das Löschen eines Meilerbrands ermöglichen. Ein einmal angelegter Meilerplatz wurde bis zur Abholzung des umliegenden Waldes über mehrere Jahre hinweg genutzt. Da sich das vollerwachsene Stammholz wegen seiner längeren Brenndauer weniger eignete, ließ man in den folgenden 15 – 20 Jahren nur noch junge Stämme aus den Wurzeln ausschlagen, die dann erneut als Kohlholz dienen konnten. Fast immer lagen die Meilerplätze in Dreiergruppen zusammen, die durch heute noch erkennbare Pfade verbunden waren. Dies deutet auf einen gleichzeitigen, vielleicht auch gemeinschaftlichen Betrieb mehrerer Meiler hin. Ihre große Zahl ist ein deutlicher Beleg dafür, dass die Produktion von Holzkohle weit über den dörflichen Bedarf oder den einer Schmiede hinausging und mit Sicherheit in Zusammenhang mit der Bleischmelze in Binzenbach, sehr wahrscheinlich auch mit der etwa 4,5 km südwestlich gelegenen Blei- und Kupferhütte Glücksthal gestanden hat. Die ortsnahe Lage lässt darauf schließen, dass die Köhler im Gegensatz zu der einsamen Außenseiter-Köhlerei der Bergwälder eine Verbindung zur dörflichen Gemeinschaft aufrechterhalten und ihre Meiler sehr wahrscheinlich nur in der witterungsgünstigen Zeit von April bis Oktober im Nebenerwerb betrieben haben. Da die Aufsicht über die Meiler aber kaum Rücksicht auf Sonn- und Feiertage nehmen konnte, war ihre Teilhabe am dörflichen Leben stark eingeschränkt und handelte ihnen -mit Blick auf mangelnde Beteiligung am dörflichen und kirchlichen Leben- häufig die spöttische Bezeichnung Heiden ein. Der Bau eines Meilers Aufbau und Betrieb eines Meilers sind ausführlich im 15. Band des Zedler`schen Universal-Lexicons beschrieben. Der Buchhändler und Verleger hatte für sein Projekt, das sich zur umfassendsten deutschsprachigen Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts entwickelte, führende Fachgelehrte seiner Zeit herangezogen, die u.a. die neusten Erkenntnisse über damals gebräuchliche Technologien zusammenfassen und verbreiten helfen sollten. Der Artikel beschreibt auch den bis ins 19. Jahrhundert in der Eifel gebräuchlichen Meilertyp. Zunächst wurde die kreisrunde Meilerplatte angelegt, geebnet und von Laub und Astwerk gereinigt. Bei bereits zuvor benutzten Meilerplätzen trug man die etwa 20 cm dicke, mit Holzkohlestücken und Holzteer durchsetzte Bodenschicht ab und schüttete sie kreisförmig um den Platz zu einem kleinen Wall (Stübbenwall) auf. Die Erde bildete später mit einer Schicht Laub die Meilerdecke. Anschließend
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