Enges Tal und weite Welt

27 Aus der militärischen Gliederung der linksrheinischen Gebiete entwickelten sich allmählich zivile Provinzen. Die Erhebung Kölns zur Colonia im Jahre 50 n. Chr. markiert einen wesentlichen Schritt dieser Entwicklung. Der Ausbau der zivilen Lagerdörfer (canabae) zu großen Handels- und Verwaltungszentren setzte sich nach der Niederschlagung des Aufstands der westgermanischen Bataver von 69/70 n. Chr.18 gegen die römische Herrschaft in Niedergermanien fort. Die Entwicklung fand ihren Abschluss um 85/89 n. Chr. mit der Bildung der Provinzia Germania unter Kaiser Diokletian (81 – 96 n. Chr.). Sie teilte sich seither in Niedergermanien (Germania inferior) und Obergermanien (Germania superior). Zu Niedergermanien mit dem Hauptort Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) gehörten neben dem nordwestlichen Deutschland Teile der heutigen Niederlande und ganz Belgien. Obergermanien umfasste das südwestliche Deutschland, reichte im Süden bis in die heutige Schweiz und im Westen weit nach Frankreich hinein. Sein Hauptort war Mainz. Die Grenze zwischen den beiden Provinzen bildete der mittlere Vinxtbach, der südöstlich vom Ramersbach entspringt und bei Bad Breisig in den Rhein mündet. Sein Name leitet sich vom lat. ad fines (an den Grenzen) ab. Der weitere Verlauf der Grenze nach Westen bleibt unsicher, dürfte aber ab Königsfeld über Dedenbach, Kempenich und Jammelshofen zur Wasserscheide von Mosel und Ahr geführt haben und dann entlang einer Linie nördlich von Kelberg und Hillesheim und weiter südlich von Jünkerath verlaufen sein. Die Grenze begleitete eine Straße, die in ihrem Verlauf der heutigen „Kohlstraße“ entsprechen dürfte. Wenige Kilometer östlich der bedeutenden keltischen Siedlung und Befestigung Kelberg trafen sich die Grenzen der beiden germanischen Provinzen und der Provinz Belgica mit ihrem Hauptort Trier. Das Gebiet der Eifel gehörte damit verwaltungsmäßig drei Provinzen an. Die Nordeifel gehörte zu Niedergermanien, der Südosten zu Obergermanien und der Südwesten zur Provinz Belgica. Vor allem die Grenzziehung zwischen den beiden germanischen Provinzen erscheint zunächst willkürlich, spiegelt aber uralte Strukturen wider. Der Vinxtbach, die Wasserscheide der Hocheifel und weiter eine zwischen Münstereifel und Blankenheim über Kronenburg durch den nördlichen Teil des Altkreises Prüm auf die belgisch-luxemburgische Grenze zulaufende Linie bilden noch heute die Sprachgrenze zwischen dem ripuarischen oder rheinfränkischen und dem moselfränkischen Dialekt. Sprache ist stets deutlichster Ausdruck sozialer und kultureller Besonderheit. Die Provinzgrenze verlief also durch ein Gebiet, in dem zwei durch Sprache und Kultur voneinander unterscheidbare Bevölkerungsgruppen lebten. Am Vinxtbach selbst sind diese Unterschiede nur schwer auszumachen, mit fortschreitender Entfernung zur Sprachgrenze Rekonstruktion eines hölzernen Wachturms am Limes in Hienheim/Essing Foto: Elke Stute-Verscharen, 2012

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