272 Strecke von etwa 100 m verlaufenden älteren Pingenzug folgend, hatte man 1922 zunächst den 240 m langen Burgsahrstollen vorangetrieben und anschließend etwa 150 m hangaufwärts einen 50 m tiefen Senkschacht bis auf die Stollensohle geführt. Vom Spätsommer 1923 bis Anfang Dezember 1924 ruhten die Arbeiten,492 dann baute man bis 1936 Bleiglanz und Kupferkies (auch: Chalkopyrit, Gelbkupfererz, Kupfereisenerz; CuFeS2) ab. Der Stolleneingang, der sich nach den ersten Metern ebenfalls in eine Kaverne mit nach außen geführtem Rauchabzug weitet, ist verschüttet, davor steht heute auf den Fundamenten der ehemaligen Betriebsgebäude ein Wochenendhaus (Villa Kleeblatt). Das Zinkbergwerk Hürnigskopf493 Mit größerem Erfolg eröffnete die Stollberger Zink AG im Mai 1927 etwa 250 m wnw von Hürnig im Bereich des heutigen Bauhofs der Firma Lanzerath das Zinkbergwerk „Hürnigskopf“. Schon 1917 hatte der Bergwerksbesitzer und Betriebsleiter Carl Hürth (1877 – 1933) etwa 250 m südöstlich der Anhöhe erste Schürfversuche unternommen, mit Kriegsende aber eingestellt. In den 20er-Jahren machte sich Hürth erneut an die Erschließung des Grubenfeldes. In ihm begegnet uns ein für die damalige Zeit typischer Bergbauunternehmer. Er ging Hinweisen der Landbevölkerung auf Erzvorkommen nach, legte die Fundstellen frei, untersuchte mit ersten Grabungen Richtung und Einfall des Erzganges und nahm Proben. Wenn diese ein positives Ergebnis brachten, stellte er beim Oberbergamt den Antrag auf Bewilligung einer Betriebsgenehmigung (Mutung) und bewarb sich um das Schürfrecht, damit er einen Stollen anlegen konnte. In Anschluss an die Prüfung durch die Bergbaubehörde vor Ort erhielt er die Konzession (Belehnung) für das etwa zwei km2 große Feld. Daraufhin legte er am Hürnigskopf einen Versuchsstollen an. Nachdem dieser Aussicht auf Erträge gezeigt hatte, bot er seine Rechte der Stollberger Zink AG zum Kauf an.494 1931 scheint der Betrieb aufgenommen worden zu sein. G. Knoll495 hat das Stollensystem am Hürnigskopf nach Informationen ehemaliger Bergleute zu rekonstruieren versucht. Der Hauptschacht hatte eine Weite von 2,5 m x 2 m. Sein Querschnitt teilte sich im Verhältnis von etwa 1: 2 in einen Steig- und einen Fahrschacht. Von Dezember 1927 bis Dezember 1936 teufte man einen 107 m tiefen Förderschacht ab, trieb von der 100-m-Sohle einen Stollen von 90 m Länge vor und teufte, an dessen Ende ein Blindschacht (Gesenk) mit eigener Fördermaschine bis auf die 230-m-Sohle führte. Die befragten Bergleute haben den Ausbau jedoch nur über einen begrenzten Zeitraum verfolgen können. Ältere, aufgegebene Strecken blieben ihnen ebenso unbekannt wie die später aufgefahrenen. Anhand der Akten der Bergbehörde RheinlandPfalz496 stellt sich das Stollensystem am Hürnigskopf heute in der folgenden Weise dar. Der Schacht reichte zuletzt auf eine Gesamttiefe von etwa 240 Metern. In 20, 25, 50, 75, 100, 125, 150, 180, 205, 230 und 240 Metern Tiefe gingen jeweils Strecken ab. Zwischenzeitlich scheint die Arbeit allerdings geruht zu haben. 1932 notierte der Pfarrer in der Pfarrchronik zum Vorjahr: „Seit Anfang September ist auch das Zinkbergwerk in Hürnig wieder in Betrieb, sodass augenblicklich nicht größere Erwerbslosigkeit hier herrscht“. Pfarrarchiv, Nr. 43, S. 126
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