Enges Tal und weite Welt

28 treten die Siedlungsgebiete der Treverer und der Eburonen aber immer deutlicher zutage. Die Römer haben diese Unterschiede bei der Ziehung der Provinzgrenze offensichtlich in Rechnung gestellt und sich an alten Stammesgrenzen orientiert. Diese Grenzziehung hat sich bis in unsere Zeit erhalten. Nach dem Untergang des römischen Reiches bildete der Vinxtbach die Südgrenze des ripuarischen Frankenreiches, im Mittelalter trennte er den Mayen- und Ahrgau, die 959 gebildeten Herzogtümer Ober- und Niederlothringen und die beiden Erzbistümer Köln und Trier. Noch heute bildet der Vinxtbach die Südgrenze des Ahr-Eifel-Dekanats und trennt die Kreise Mayen und Ahrweiler.19Auf weiter Strecke bildete der Rhein zur Zeit des Römischen Reiches eine befestigte Grenzlinie. Die Lücke zwischen Donau und Rhein sollte der Obergermanisch-raetische Limes schließen. Über eine Strecke von etwa 550 km verlief er von Rheinbrohl bis Neustadt a. d. Donau. Anfangs war er nicht mehr als ein einfacher Postenweg, den seit etwa 100 n. Chr. hölzerne, später steinerne Türme begleiteten. Zuletzt bildete er eine von Palisaden oder Mauern geschlossene, mit Wällen und Gräben versehene Grenzbefestigung. In Obergermanien bestand der Limes seit etwa 162/165 überwiegend aus Palisaden, Gräben und Wällen, während er die raetische Provinzgrenze mit einer Mauer schützte. Entlang seines Verlaufs reihten sich etwa 900 Wachtürme sowie 120 größere und kleinere Truppenlager. Auf der linken Rheinseite setzte sich die Grenzbefestigung von der Provinzgrenze am Vinxtbach bis zur Mündung des Oude Rijns in die Nordsee als eine dem Verlauf des Flusses folgende Kette von unterschiedlich großen Kastellen fort. Trotz der Grenzlage konnten sich seit der ersten Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts auch in Germanien die für eine Erschließung erforderlichen stabilen Verhältnisse entwickeln. Für mehr als drei Jahrhunderte sollten sie Bestand haben. Am Rhein entstanden neben den Verwaltungsmittelpunkten und in der Nähe der Legionslager Handwerker- und Kaufmannssiedlungen, auf dem Land breiteten sich Einzelbauernstellen (villae) aus. Im 2./3. Jahrhundert erreichte die Besiedlung auch die abgelegeneren Seitentäler der Ahr und die Höhenlagen der Eifel. Aktuelle Bodenuntersuchungen haben sogar Hinweise auf eine römische Besiedlung des Tals im 1. Jh. n. Chr. erbracht. An ihrem Anfang dürften von der Armee getragene Vorstöße zu den dortigen Erzlagerstätten gestanden haben. Die Erschließung ging unter anderem von einer Straße aus, die von Lyon über Metz kommend, auf 147 km Länge die großen Legionslager Trier, Köln und Rekonstruktion eines steinernen Wachturms am Limes bei Rheinbrohl Foto: F.-J. Verscharen, 2014

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