305 Das Rheinland zwischen Frankreich und Preußen Was ist nach zwanzig Jahren geblieben? Die Jahre französischer Herrschaft haben den Rheinlanden auf Dauer die Errungenschaften der Französischen Revolution gebracht. Auf Begeisterung sind die Franzosen hier aber nicht gestoßen. Vor allem die Landbevölkerung erlebte die neuen Herren weniger als Befreier, die ihnen Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit brachten, sondern als Besatzer, die mit Kriegsabgaben, Heereslieferungen und Steuern die Belastungen auch nach Abschaffung der alten grundherrlichen Abgaben nicht geringer werden ließen. Den Bauern hatte man zwar ihre in Erbpacht gehaltenen Höfe als uneingeschränktes Eigentum überlassen, der von der Kirche selbst bewirtschaftete Grundbesitz war dagegen an wohlhabende Bürger und den Adel versteigert worden. Die Eigentumsverhältnisse hatten sich nur verschoben, die wirtschaftliche und soziale Benachteiligung der Landbevölkerung bestand dagegen unverändert fort. Selbst die neu gewonnene Freiheit hatte ihren Preis. Mit der alten Gesellschaftsordnung waren auch die persönlichen Bindungen zwischen Bauern und Grundherren aufgehoben. Auf Pachtnachlass war in Notzeiten nicht mehr zu hoffen, die neuen Steuern wurden dagegen unerbittlich eingetrieben. Industrie und Bergbau nahmen unter den Bedingungen der fortlaufenden Kriege erst allmählich Aufschwung und boten daher nur geringe Möglichkeiten, das Einkommen zu verbessern. Angesichts des Überangebots an Arbeitskräften bewegten sich die Löhne ohnehin nur wenig über dem Existenzminimum. Gewinner des neuen Systems war das frühindustrielle Bürgertum. Wirtschaftlich aufgestiegene Unternehmer und Kaufleute bildeten eine neue Schicht, die aufgrund ihrer Steuerleistung Zugang zu den Departements-, Arrondissements- und Gemeinderäten erhielt. Hier konnten sie, wenn auch nur in beratender Funktion, allein das Volk repräsentieren. Der Adel hatte zwar seine Position als politische Herrschaftsschicht eingebüßt, stellte aber weiterhin einen großen Teil der Führungselite, die seit 1797 den neuen Herren als Beamte, Diplomaten und Offiziere diente. Bauern und Bürger blieben bei Eingaben an die Behörden und vor Gericht weiterhin auf deren Wohlwollen angewiesen. Mit Einführung der Militärpflicht begegneten ihnen seit 1802 ihre ehemaligen Herren als Offiziere der französischen Armee. Vor allem die Landbevölkerung hatte die Soldaten für die Feldzüge Napoleleons zu stellen. Bis 1810 waren es allein im Rhein-Mosel-Departement etwa 6.300. In den folgenden drei Jahren erfassten die Aushebungen noch einmal die doppelte Zahl. Viele Bauernsöhne kehrten nicht aus der Fremde zurück. Auch das Sahrbachtal war von den französischen Rekrutierungen nicht verschont geblieben. Den 1782 in Hünkhoven (Hünikoven) geborenen Peter Josef Emons aus Binzenbach brachten sie für sechs Jahre nach Spanien. Hier führte Napoleon seit 1808 einen Krieg gegen die Gegner des spanischen Königs. Nach der Niederlage der Franzosen geriet Emons 1814 für eineinhalb Jahre in englische Gefangenschaft. Seine Rückkehr kann für 1816 angenommen werden. Er heiratete 1819 und starb 1864. Pfarrarchiv Kirchsahr, Nr. 56, S. 86.
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