Enges Tal und weite Welt

321 Auswanderung Der steigende Bevölkerungsdruck konnte auf Dauer nur durch Auswanderung abgebaut werden. Kinkel fuhr in seinem Reisebericht fort: „die Bewohner des Tals werden arm und ärmer, die einst blühenden Dörfer brechen zusammen ... und zuerst von allen Preußen hat der Ahrländer die Auswanderung nach Amerika begonnen.“ Als 1842 eine erste Welle von Auswanderern die Ahrregion verließ, brachen im neuen Kontinent gerade die ersten Siedler zur Erschließung des Westens jenseits der Rocky Mountains auf. Die von der Ahr stammenden Auswanderer scheinen aber das Gebiet der großen Seen um Michigan, Illinois und Wisconsin bevorzugt zu haben.569 Zwischenzeitlich brachte das Wiederaufleben des Bergbaus eine gewisse Entspannung, die Auswanderungswellen sollten aber erst nach dem Ersten Weltkrieg allmählich abebben. Noch bis in die 20erJahre des 20. Jahrhunderts hinein ist die in der Eifel herrschende Not Thema der zwischen alter und neuer Heimat wechselnden Briefe.570 Aber auch aus der Ferne kamen nicht nur positive Nachrichten ins Sahrbachtal. 1922 meldete sich eine Miss J. Caspary aus Portland/Oregon bei Johann Josef Zavelberg in Burgsahr. Ihre Eltern Johannes und Maria Gertrud Caspary (geb. Zavelberg) waren am 27. März 1868 mit ihren damals sechs Kindern nach Amerika aufgebrochen. Frau Caspary war noch in Burgsahr geboren worden, hatte bei ihrer Abreise das schulpflichtige Alter aber noch nicht erreicht. An die Namen Paffenholz, Schafer, Webber (!) und Halberg konnte sie sich noch erinnern und wusste, dass die drei erstgenannten Familien nahe der Kirche wohnten. In den folgenden Jahren wuchs ihre Familie um fünf weitere Kinder. Ihre Eltern erwarben 1868 eine Farm in Lyon/Iowa. Das Land war Leben unter Deck eines Auswanderungsschiffs Bundesarchiv: Bild 137-041316 Die Bewohner des Dorfes Hümmel erwogen 1842 kurzzeitig sogar, ihre Dorfgemeinschaft aufzulösen, den Gemeindewald an die Herzöge von Aremberg zu verkaufen und geschlossen die Auswanderung nach Amerika anzutreten. Am 13. März 1868 beantragte der Pfarrer von Kirchsahr beim Generalvikariat in Trier die vorzeitige Zulassung der Kinder einer für den 27. März zur Auswanderung nach Amerika bereitstehenden Familie zur Erstkommunion. Die Zustimmung traf am 21. März ein, die Feier folgte vier Tage später. Pfarrarchiv Kirchsahr, Nr. 66.

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