Enges Tal und weite Welt

326 Neue Straßen braucht das Land579 Einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage standen nicht zuletzt die schlechten Verkehrsverbindungen entgegen. Fehlende Straßen und Eisenbahnverbindungen setzten einer wirtschaftlichen Nutzung der Wälder ebenso enge Grenzen wie der Erschließung und Verarbeitung der Bodenschätze. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts führten nur wenige befahrbare Straßen durch die Eifel. Das Ahrtal und seine Nebentäler blieben trotz ihrer Nähe zum Rhein und zur Niederrheinischen Bucht bis weit ins 19. Jahrhundert hinein vom überregionalen Verkehr schlecht erschlossen. Aus karolingischer Zeit stammte die Aachen-Frankfurter Heerstraße, die bei Sinzig die Ahr überquerte und von Bodendorf, Nierendorf, Wachtberg und Rheinbach weiter am Nordrand der Eifel verlief. Sie war Teil des Straßennetzes, das Flandern mit Bayern, Tirol und Oberitalien verband. Da die ostfränkischen Nachfolger der Karolinger sie auf ihrem Weg nach Aachen nutzten, wenn sie dort nach ihrer Wahl die Königskrone zu empfingen, gab man ihr den Namen Krönungsstraße. Von Köln führten Straßen nach Koblenz, Trier und Luxemburg. Erst unter den Franzosen wurde der Straßenbau seit 1811 intensiver betrieben. Von der Ahrmündung führte jetzt ein ausgebauter Weg bis Rech, überschritt hier den Bergrücken nach Kesseling und führte weiter in das Gebiet der Hohen Acht. Preußen griff die französischen Pläne auf und richtete 1818 eine Poststraße zwischen Remagen und Ahrweiler ein. Dort musste ein berittener Bote den Postverkehr nach Adenau übernehmen. Die Felsbarrieren bei Laach und Altenahr stellten noch für lange Zeit ein unüberwindliches Hindernis für den Durchgangsverkehr dar. Weiterhin verbanden nur schmale Wege die einzelnen Orte. Je nach Witterung waren sie nicht zu passieren und nach dem Hochwasser vom 21. Juli 1804 in weiten Bereichen weggeschwemmt. Ein Fuhrwerk musste damals allein zwischen Ahrweiler und Altenahr das Flussbett zwölfmal durchfahren. In der nassen Jahreszeit kam der Fuhrverkehr völlig zum Erliegen. „Zwischen Wasser und Felsen verschwindet Postkutsche im Ahrtal am Ende des 19. Jhs. F.-]. Henseler, Aus der Postgeschichte des Ahrtals. in: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1956, S.125-131.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTM5Mjg=