Enges Tal und weite Welt

333 doch die jüngere Generation in Frankreich in dem Glauben erzogen, sie habe ein heiliges Recht auf den Rhein und die Mission, ihn bei der ersten Gelegenheit zur Grenze Frankreichs zu machen.“583 Blühende Ortschaften, leistungsfähige Industrien und ein gut ausgebautes Verkehrsnetz sollten dem alten Feind nicht in die Hände fallen. Die Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging an der Eifel vorüber. Die Einschätzung der Eifel als Manöver-, Aufmarsch- und Kampfgebiet wurde im Krieg von 1870/1871 und in den beiden Weltkriegen bittere Wirklichkeit. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 – 1871 Der französische Kaiser Napoleon III. hatte 1866 aus der Rivalität der beiden deutschen Großmächte keine Vorteile gewinnen können. Mit beiden Seiten verhandelte er über ein Eingreifen oder eine französische Neutralität. Sein Spielraum war aber eng bemessen, denn Frankreichs Soldaten kämpften zu dieser Zeit in Mexiko, Algerien und Südostasien. Napoleon hätte nur etwa 100.000 Mann gegen 300.000 sofort einsatzbereite preußische Soldaten aufbringen können. Jetzt war ihm ein ernsthafter Gegner an seiner Ostgrenze entstanden, der Frankreichs Vormacht auf dem Kontinent infrage stellte. Der Streit um die Wiederbesetzung des spanischen Königsthrons bot Napoleon Anlass zur Kriegserklärung vom 19. Juli 1870. Der Norddeutsche Bund und seine Verbündeten Bayern, Baden und Württemberg ließen schon am 3. August 1870 320.000 Soldaten an der französischen Grenze aufmarschieren und nach Frankreich vorrücken. Die deutschen Staaten mobilisierten im Kriegsverlauf etwa 1,4 Millionen Männer, von denen 1,1 Millionen in Frankreich zum Einsatz kamen. Unter ihnen befanden sich Johann Halberg und Peter Schneider aus Kirchsahr, Anton Zavelberg aus Burgsahr und Josef Weber aus Binzenbach. Im Gegensatz zu den etwa 41.000 gefallenen Deutschen und den etwa 139.000 Gefallenen auf französischer Seite, kehrten sie unversehrt nach Kirchsahr zurück. Der Krieg endete am 26. Februar 1871 mit dem Vorfrieden in Versailles. Der am 10. Mai 1871 unterzeichnete Frieden von Frankfurt beendete den Deutsch-Französischen Krieg schließlich formell. Frankreich musste das Elsass und Lothringen abtreten und hohe Reparationszahlungen aufbringen. Gebiete im Osten Frankreichs blieben bis 1873 besetzt. Frankreich schickte den in deutsche Gefangenschaft geratenen Kaiser Napoleon III. ins Exil. Deutschland wird Großmacht Noch während des Kriegs konnte Bismarck die süddeutschen Staaten zum Eintritt in den Norddeutschen Bund bewegen. Der König von Preußen, der diesem Staatenbund bisher als „Bundespräsident“ vorstand, sollte in dem neu gebildeten „Deutschen Reich“ den Kaisertitel führen. Am 18. Januar 1871 proklamierten die im Spiegelsaal des französischen Schlosses Versailles versammelten Oberhäupter der Mitgliedsstaaten den Preußischen König zum „Deutschen Kaiser“. Reichskanzler wurde Otto von Bismarck. Die Wahl des Ortes musste das besiegte Frankreich als Demütigung empfinden, ebenso den in Deutschland seither gefeierten „Sedanstag“, der an die Kapitulation der französischen Armee nach der Schlacht von Sedan am 2. September 1870 erinnerte. Für

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