342 Das Ende der Monarchie Mit dem Waffenstillstand kam zugleich das Ende des Kaiserreichs. Im belgischen Spa arbeiteten Kaiser und Oberste Heeresleitung am 9. November noch an einer Abdankungsurkunde, mit der Wilhelm II. seinen Verzicht als Deutscher Kaiser, nicht aber als preußischer König erklären wollte. Der Reichskanzler Max von Baden griff unter dem Druck der demokratischen Kräfte dem Ergebnis jedoch mit der Bekanntgabe der Abdankung Wilhelm II. als Kaiser und König und der Übertragung des Reichskanzleramtes an den Vorsitzenden der SPD, Friedrich Ebert, vor. Gegen 14 Uhr rief der stellvertretende SPD-Vorsitzende und Vorsitzende der SPD-Fraktion im Reichtag, Philipp Scheidemann, vom Balkon des Reichstags die Republik aus. Er kam damit dem Versuch Karl Liebknechts zuvor, eine sozialistische Republik auszurufen. Demokratie ohne Demokraten Am folgenden Tag bildete sich aus Mitgliedern der SPD und der USPD der Rat der Volksbeauftragten. Hauptaufgabe wurde die Demobilisierung. Die politische Neuordnung von Staat und Gesellschaft sollte nach dem Willen der SPD einer vom Volk gewählten verfassungsgebenden Nationalversammlung überlassen werden. Die USPD strebte dagegen die sofortige revolutionäre Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft an. Zur gleichen Zeit bildeten sich überall im Reich Arbeiter- und Soldatenräte als Organe der Selbstverwaltung zur Unterstützung der neuen Regierung bei der Rückkehr zum Frieden. Zwei Tage nach dem Waffenstillstand fanden sich auch in Kirchsahr Bürger im Gasthaus Theodor Webers zur Wahl eines Soldatenrats zusammen. Der Vorsitz wurde dem 64 Jahre alten Lehrer Friedrich Steigleder übertragen. Weitere Mitglieder waren Jacob Nolden (Kirchsahr, geb. 26.1. 1899), der Wegewärter Lorenz Paffenholz (Binzenbach, geb. 28.3. 1892), Andreas Zimmermann (Burgsahr, geb. 16.2. 1889), der Schuster Johann Mathias Pitzen (Kirchsahr, geb. 22.9. 1873), Josef Schäfer (Plittersdorf, geb. 26.3. 1890). Die Versorgung der Bevölkerung gehörte zu ihren vorrangigen Aufgaben. Die Wahlen zu der von der SPD geforderten Nationalversammlung fanden am 19. Januar 1919 statt. Zum ersten Mal durften auch Frauen wählen, das Wahlalter war von 25 auf 20 Jahre gesenkt worden. Die SPD ging aus den Wahlen als Sieger hervor, gefolgt von der Deutschen Zentrumspartei. Das Zentrum war seit 1870 der wichtigste Repräsentant des politischen Katholizismus in Deutschland. Zu den führenden Vertretern der Partei gehörte damals der an den Waffenstillstandsverhandlungen beteiligte Matthias Erzberger. Bis 1932 sollte das Zentrum an allen Reichsregierungen beteiligt sein und mehrfach Reichskanzler stellen. In Kirchsahr gingen 107 Wähler zu den Urnen. Alle 102 gültigen Stimmen gingen Ergebnis der Wahlen zur Nationalversammlung vom 19.1. 1919 SPD 39,0 % Zentrum 21,5 % DDP (linksliberal) 17,7 % DNVP (monarchistisch) 10,4 % USPD 5,2 % DVP (rechtsliberal) 4,5 %
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