Enges Tal und weite Welt

344 Wahlgang 103 der 108 Kirchsahrer Wähler ihre Stimmen. Vier Stimmen erhielt der schließlich gewählte parteilose Feldmarschall Paul von Hindenburg. Die Goldenen Zwanziger Jahre Für die Eifel bedeuteten Krieg und Niederlage weiterhin anhaltende Armut. Die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft hatte schon 1914 zu Engpässen in der Versorgung geführt. Zugleich fehlten die eingezogenen Männer in der landwirtschaftlichen und gewerblichen Produktion. Die direkten Kriegsausgaben Deutschlands hatten sich auf 194 Milliarden Goldmark (ca. 20 % der Gesamtkosten) belaufen. Sie waren über Kriegsanleihen beschafft worden, die nach einem Sieg mit den Reparationszahlungen der besiegten Feinde abgelöst werden sollten. Jetzt verpflichtete der Versailler Vertrag das Reich zu Reparationszahlungen, die nur mit dem Druck zusätzlichen Papiergeldes bezahlt werden konnten. Das Geld verlor seine Kaufkraft. Schon 1918 war die Mark weniger als die Hälfte wert. 1923 erreichte die Geldentwertung (Inflation) ihren Höhepunkt. Anfang April des Jahres stand der US-Dollar in einem Verhältnis von 1:21.000, im November musste man 4,2 Billionen Mark für einen Dollar zahlen. Unternehmer investierten nicht mehr, das Warenangebot ging zurück, die Arbeitslosigkeit stieg, die Löhne fielen ins Bodenlose. Im Dezember 1932 berichtete die Kölnische Zeitung590 über die in der Eifel herrschende Not beispielhaft aus dem Dorf Müllenbach im Kreis Cochem-Zell. Nach Aufgabe des Schieferabbaus war ein Drittel der Erwerbstätigen auf Wohlfahrtsunterstützung angewiesen. Eine fünfköpfige Familie musste mit 50 Mark im Monat auskommen. Selbst ein Bergmann des Sahrbachtals brachte damals das zweieinhalbfache als Lohn nach Hause. Kartoffeln und etwas Gemüse mussten den meisten Einwohnern genügen. Die Jüngeren zogen auf der Suche nach Nahrung und Arbeit über Land. Die in Köln ansässigen Grubenpächter hatten vertragswidrig die Pachtzahlungen eingestellt und damit der Gemeinde ihrer einzigen Einnahmequelle beraubt. Die Gemeinde geriet zunehmend in Schulden, konnte Den damaligen Pfarrer traf die Inflation als Bezieher eines staatlichen Gehalts direkt: „Die Überweisungen auf das Postscheckkonto dauerten bei den unglaublichen Verkehrsverhältnissen (Eisenbahn besetzt, Postauto verboten! etc.) so lange, dass das Gehalt, wenn man es in die Hände bekam, vollständig entwertet war und oft nicht mal mehr den Kaufwert von 2 Goldmark hatte“. Pfarrarchiv Kirchsahr, Nr. 43, S. 112. Reichsbanknote über 5 Milliarden Mark (September 1923) Foto: Wikipedia

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