Enges Tal und weite Welt

366 Straße nach Häselingen deutlich größer gewesen sein. Von zwei der vier verfallenen Häuser zeichnen sich heute noch Hauspodeste und die umgebenden Erdwälle ab. Vischel621 Deutlich älter als Kirchsahr ist das benachbarte Vischel, das im Jahre 893 erstmals erwähnt wird, in seinen Anfängen möglicherweise sogar auf einen römischen Gutshof zurückgeht. In karolingischer Zeit kam Vischel an das Kloster Prüm. Im Prümer Urbar von 893 erscheint es allein mit 31½ Mansen. Das Patronatsrecht über die Kirche muss im 11. Jahrhundert an das Stift Münstereifel übergegangen sein, das hier seit 1086 auch über den Rottzehnten verfügte. Die heutige Kirche ist ein Saalbau des 16. mit Erweiterungen des 18. Jahrhunderts. Ihr rechteckiger Chor ist vom romanischen Vorgängerbau geblieben. Die rechteckige Burganlage stammt im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert, steht aber noch weitgehend auf den mittelalterlichen Grundmauern. Das Herrenhaus erfuhr 1829 einen grundlegenden Umbau. Spätestens seit 1684 war die Burg an einen Burghalfen verpachtet. Bisher galt ein Bericht aus dem Jahre 1115 über die Zerstörung einer Burg Wischele des Grafen Theoderich von Are durch Truppen des Kölner Erzbischofs als ältester Beleg für die Burg. Heute weiß man, dass nicht Vischel gemeint war, sondern Wissel bei Kleve.622 1133 hatte ein Dienstmann des Grafen von Are die Burg inne. Er nannte sich nach der Burg Embrico de Phischle. Als der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg den Besitz der Familie Are erwarb, ging 1180 auch die Burg in den Besitz des Erzbistums über. 1350 übergab der Erzbischof die Burg als Lehen an eine Katharina von Are, 1364 an Heinrich von Gymnich. Zu dieser Zeit muss sie bereits Teil des Altenahrer Burglehens gewesen sein. Sie bildete bis zum Ende des alten Reichs den Mittelpunkt einer kurkölnischen Unterherrschaft, zu der Berg, Häselingen, Ober- und Unterkrälingen, Vellen, der Springhof, die Tungenburg und Weißerath gehörten. Hier übten deren Inhaber, unterstützt von einem Schultheißen, die hohe und niedere Gerichtsbarkeit aus.623 Zwischen 1370 und 1399 wurde die Burg im Verlauf einer Fehde, ebenso wie das Burghaus Gymnich in Altenahr, zerstört. Die Erlaubnis zum Wiederaufbau verband Erzbischof Friedrich III. (1370 – 1414) im Jahre 1399 mit dem Zugeständnis seines Lehnsmanns, die Burg im Falle eines Kriegs oder einer Fehde unentgeltlich als militärischen Stützpunkt nutzen zu können. Burgen mit dieser besonderen Verpflichtung nennt man Offenhaus. 1559 teilte sich die Familie in die Burg Vischel Foto: Elke Stute-Verscharen (2012)

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