Enges Tal und weite Welt

375 Längenmaße Bis zur Einführung des metrischen Maßsystems in Frankreich seit etwa 1800 wurden die Grundmaße der Längenmessung konkret auf den Menschen bezogen. Spanne, Elle, Fuß und Schritt und alle davon abgeleiteten Längen- und Flächenmaße mussten allein schon daher starken regionalen Schwankungen unterworfen sein. Auch durch Mittelungen waren sie nur bedingt auszugleichen. Wie man die Länge eines Fußes bestimmen sollte, beschrieb der Oppenheimer Stadtschreiber und Feldmesser Jakob Köbel in seiner 1575 erschienenen „Geometrei“ „Es sollen 16 Mann, kleine und große, wie sie ungefehrlich aus der Kirche gehen, nacheinander ein jeder vor den anderen einen Schuh stellen. Die selbe Lenge ist und soll seyn ein gerecht Meßrute.“631 Weitere Abweichungen ergaben sich bei den nächsthöheren Einheiten daraus, dass diese je nach Region das 12-, 16- oder 18-fache des Grundmaßes ausmachen konnten. Schwankte damit die Länge eines Fußes bereits zwischen 25 und 33,3 cm konnte die Rute 2,5 m bis 5,9 m ausmachen. Für Kurköln können nach Taschenkalendern der Jahre 1794 und 1809632 die folgenden Maßumrechnungen angenommen werden: 1 Rute 16 Fuß 192 Zoll 2304 Linien 4,5980 m 1 Fuß 12 Zoll 144 Linien 0,2876 m 1 Zoll 12 Linien 0,0240 m 1 Linie 0,0020 m In preußischer Zeit galt: 1 Meile 2.000 Ruten 24.000 Fuß 288.000 Zoll 3.456.000 Linien 7.532,47 m 1 Rute 12 Fuß 144 Zoll 24000 Linien 3,77 m 1 Fuß 12 Zoll 144 Linien 0,3139 m 1 Zoll 12 Linien 26,154 mm 1 Linie 2,179 mm Flächenmaße Das Maß für landwirtschaftliche Nutzflächen war in ältester Zeit das Joch. Der Name geht auf das althochdeutsche wort joh (zusammenbinden) zurück. Er stellt einen unmittelbaren Bezug zu der im Mittelalter üblichen Art der Bodenbearbeitung her, bei der paarweise mit einem Geschirr verbundene Ochsen den Pflug zogen. Im süddeutschen Raum galt das Joch noch bis in die jüngste Vergangenheit als landwirtschaftliches Flächenmaß. Hier umfasste es 0,33 bis 0,35 Hektar und damit das 1,3 bis 1,4-fache eines Morgens. Ein Joch kann demnach als die Ackerfläche bezeichnet werden, die ein erfahrener Bauer mit einem Ochsengespann an einem Tag pflügen konnte. Dies entspricht dem in anderen Landesteilen gebräuchlichen Begriff „Tagewerk“. Ein Morgen bezeichnet dagegen die an einem kühleren Vormittag zu erbringbare Pflugleistung. Er untergliederte sich weiter in Viertel, Pint, Ruten und Fuß. Als Flächenfuß galt aber nicht ein Quadratfuß (Fuß2), sondern ein Streifen von einem Fuß Breite und einer Rute Länge (16 Quadratfuß). Die Größe eines Morgens entsprach nicht den

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