42 derung orientiert sich allerdings ganz im Sinne nationalstaatlicher Geschichtsschreibung allein an der fränkischen und deutschen Herrschergeschichte. Für das Rheinland gelten das Ende der römischen Herrschaft am Rhein (474 n. Chr.) und die Herausbildung eines fränkischen Teilkönigtums um 500 als Beginn des Frühmittelalters. In dieser Zeit übernahmen fränkische Könige die Herrschaft in den aufgegebenen römischen Provinzen. In Europa entstanden Reiche, die in den heutigen Staaten Europas fortbestehen. Das Frankenreich stieg unter den Karolingern im Westen zur Vormacht auf, der Mittelmeerraum geriet gegenüber West- und Mitteleuropa in eine politische Randlage. Im Osten behauptete sich Ostrom/Byzanz. Im Streit um die Vorherrschaft nahm die fortdauernde Spaltung der christlichen Kirche in einen lateinischen und einen orthodoxen Teil ihren Ausgang. Im Mittelmeerraum breitete sich der Islam aus. Das Frühmittelalter endete mit dem Tod des letzten ottonischen Herrschers (1024). Das Hochmittelalter schließt mit der Herrschaftszeit des ersten Salierkönigs an und endet mit dem letzten Herrscher aus dem Geschlecht der Staufer (1254). In dieser Zeit erlebte Europa eine neue wirtschaftliche und kulturelle Entfaltung. Klöster und Stifte erlebten eine Blüte, Dom- und Klosterschulen und die ersten Universitäten wurden gegründet. Ein bis ins 14. Jahrhundert anhaltendes Bevölkerungswachstum machte die Erschließung neuer Gebiete erforderlich. Landwirtschaft und Technik wurden verbessert. Handel und Handwerk erlebten eine Blüte, die Naturalwirtschaft ging mehr und mehr in eine Geldwirtschaft über. In den Städten Oberitaliens entwickelte sich ein Bankensystem. Die fest gefügte Gesellschaftsordnung geriet in Bewegung. In Nord- und weiten Teilen Osteuropas war die Christianisierung weitgehend abgeschlossen. Zugleich erreichte der Streit um die politische Vormachtstellung zwischen Kaiser und Papst mit dem Investiturstreit (1076 – 1122) seinen Höhepunkt. Innerhalb der Kirche entwickelten sich Reformbewegungen. Bischöfe und Fürsten nutzten die zeitweise Schwäche des Kaisers zum Ausbau ihrer Territorien. Ihre Dienstmannen stiegen zu einem eigenen Ritterstand auf, der in den Kreuzzügen (seit 1095) zu besonderem Ansehen gelangte. In Europa gewannen Frankreich und England zunehmend politischen Einfluss, Byzanz verlor dagegen im 11. Jahrhundert fast ganz Kleinasien und sank zu Beginn des 13. Jahrhunderts zur Regionalmacht ab. Der Tod des Stauferkaisers Friedrich II. (13.12. 1250) markiert das Ende des Hochmittelalters. Es folgte eine Zeit politischer Instabilität mit mehreren Königen und Gegenkönigen (Interregnum), in der die Fürsten ihre Machtpositionen zu Lasten des Königtums erweitern konnten. Seit 1315 breiteten sich Hungersnöte und Seuchen aus, die Pest erreichte Deutschland 1347. Eine Folge war eine langanhaltende Krise der Landwirtschaft, die nicht nur die Bauern, sondern auch die Grundherren traf. Viele Ritter verarmten und stiegen sozial ab. Andererseits erlebten Kunst und Wissenschaft große Fortschritte. In Italien führte die Wiederentdeckung antiker Texte zu einer Wiederbelebung (Renaissance) des antiken Geisteslebens. Der Mensch wurde unabhängig von seiner sozialen Bindung als Einzelperson, als schöpferisches Individuum gesehen, dem die Welt offenstand. So endet das Spätmittelalter mit der Entdeckung
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