Enges Tal und weite Welt

43 Amerikas (1492) und der Umseglung Afrikas (1498). Die neu entdeckten Handelswege kamen vor allem den Handelsherren zugute. Der Bevormundung durch weltliche und kirchliche Obrigkeiten versuchten sie sich immer mehr zu entziehen. Kritik am Papst und dem hohen Klerus, in deren Händen kirchliche und weltliche Herrschaft lagen, die durch ihre Lebensführung zugleich aber gegen die elementarsten Glaubensgrundsätze verstießen, war schon um die Mitte des 15. Jahrhunderts laut geworden. Zu innerkirchlichen Reformen hatten sich aber nur einige Orden bereitgefunden. Der Verfall kirchlicher Zucht schritt voran. Klöster und Stifte wurden allein noch als wirtschaftliche, durch ihre Abgabefreiheit bevorteilte Konkurrenz empfunden. Den Bedürfnissen des aufstrebenden Bürgertums gab die Reformation Ausdruck. Das Evangelium sollte die einzigen Quelle des Glaubens werden, der Mensch allein seinem Gewissen unterworfen sein. Anfangs als christliche Erneuerungsbewegung gedacht, führte ihr weiterer Verlauf zur Neugestaltung der Kirchen- und Weltordnung der frühen Neuzeit. Die fränkische Zeit35 Die romanisierte Bevölkerung konnte bis etwa 250 n. Chr. weitgehend in Frieden leben, wurde dann aber in zunehmendem Maße von den Einfällen westgermanischer Stämme beeinträchtigt. Sie hatten sich seit etwa 200 n. Chr. unter dem Druck von Missernten und Überbevölkerung entlang der römischen Grenze zu bewegen begonnen und sich dabei, vermutlich aus älteren germanischen Völkern wie Chamaven, Brukterern, Chattuariern und Amsivariern kurz nach der Mitte des 3. Jahrhunderts zu einem größeren Stammesverband zusammengeschlossen. Sie nannten sich jetzt Franken, was „die Kühnen“, „die Mutigen“ bedeutete. Als Francii bezeichnen sie die römischen Quellen, die über ihre vielen Raubzüge in die römische Provinz Gallien hinein berichten. In den Jahren 259/260 überwanden sie den Limes nördlich der Lahn, zerstörten 275 erstmals die Colonia Ulpia Traiana (Xanten) und ließen sich seit etwa 276 auf der linksrheinischen Seite auch im Kölner Raum nieder. Das Ahrtal erreichten die fränkischen Vorstöße erstmals am Ende des 3. Jahrhunderts. Das Kastell Remagen fiel und die Siedlungen und Gutshöfe des Ahrtals wurden niedergebrannt. Zwischenzeitlich gelang immer wieder der Wiederaufbau, häufiger richtete die Bevölkerung jetzt aber Zufluchtstätten auf den schon in vorgeschichtlicher und römischer Zeit befestigten Berghöhen ein. Zu ihnen zählen die Alte Burg südlich von Reifferscheidt, der Scheidskopf bei Remagen, die Alte Mauer bei Ahrweiler und die Alte Burg bei Insul.36 Ein letztes Mal stabilisierte sich die Lage in der kurzen Friedenszeit unter den Kaisern Konstantin I. und II. von 328 bis 341. Für Ahrweiler, Dernau, Staffel und Waldorf brachten diese Jahre die Neuanlage großer, reich ausgestatteter Landgüter. Seit 350 konnte das durch interne Streitigkeiten geschwächte römische Reich die fränkischen Übergriffe nicht mehr abwehren. Die ausgedehnten fränkischen Kriegszüge der Jahre 352 – 355 n. Chr. erreichten auch das Ahrgebiet. Zur gleichen Zeit wurden Köln und Bonn belagert und eingenommen. Nach 356 gelang noch einmal die Rückeroberung und militärische Sicherung der Rheingrenze. Verträge hielten die Hauptmacht der Franken bis zum Ende des Jahrhunderts von weiteren Überfällen ab.

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