Enges Tal und weite Welt

44 395 n. Chr. zerfiel das römische Reich in einen west- und einen oströmischen Teil. Mit dem Abzug römischer Truppen in das jetzt ebenfalls bedrohte Italien kündigte sich im Jahre 401 die schrittweise Aufgabe der Provinz Germanien an. Zehn Jahre später gaben die Römer den Limes kampflos auf. Nur noch vereinzelt gingen sie gegen fränkische Siedler vor. Größere Auseinandersetzungen vermieden sie durch den Abschluss von Bündnisverträgen mit den germanischen Stammesfürsten. 455 überquerten die Franken den Mittel- und Niederrhein. Köln nahmen sie nach langer Belagerung endgültig um 459 n. Chr. ein, Mainz fiel im gleichen Jahr. Etwa 15 Jahre später beendeten sie mit der Einnahme Triers die römische Herrschaft am Rhein. Der Untergang der großen Zentren, Städte und Kastelle vermittelt das Bild einer gewaltsamen Landnahme durch germanische Horden, die mordend und plündernd in die Provinz Germanien einbrachen. In Wirklichkeit vollzogen sich der Niedergang Roms, die Übernahme des Landes durch die Franken und der Aufstieg ihres Reiches innerhalb eines zwei Jahrhunderte währenden Prozesses. Sein Verlauf war weniger von gewaltsamen Umbrüchen geprägt als von der friedlichen Aneignung römischer Errungenschaften und deren Anpassung an germanische Eigenarten und Traditionen. Schon früh hatte das römische Imperium Franken als Verbündete (foederati) aufgenommen. Als die Hunnen Gallien bedrohten, hatte sich Rom 451 sogar zu einem Kriegsbündnis mit einigen von ihnen bereitgefunden. Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern in der Champagne war die letzte erfolgreiche Abwehr Westroms gegen eine äußere Bedrohung und bereits nur mit Hilfe von Westgoten, Franken und anderen Germanenstämmen möglich geworden. Der Frankenkönig Chlodwig (466 – 511) vertrieb nach Übernahme der Herrschaft seit 481/482 die letzten römischen Heerführer, übernahm das Kommando über die noch in Gallien stationierten römischen Truppen und begann mit dem Aufbau eines fränkischen Großreichs. Die ehemalige römische Provinzhauptstadt Köln wurde um 500 n. Chr. unter dem Frankenkönig Sigibert zunächst Mittelpunkt eines fränkischen Teilkönigtums. Es reichte bis Mainz, schloss also auch das Gebiet an der Ahr ein. In seinen letzten Lebensjahren übernahm Chlodwig auch die Rheinlande, nachdem auf sein Betreiben Sigibert und dessen Sohn Chloderich ermordet worden waren. Nach dem Tod Chlodwigs kam es mehrfach zu Teilungen des Reichs. Die Rheinlande gehörten zu dessen östlichen Teil Austrien. An der Spitze des austrischen Adels standen im 6. Jahrhundert zwei Familien, deren führende Vertreter Arnulf von Metz (582 – 641) und Pippin (um 580 – 640) seit der Ehe ihrer Kinder als Stammväter der Karolinger gelten. Der Grundbesitz Arnulfs lag zwischen der oberen Maas und der oberen Mosel mit den Bischofssitzen Verdun und Metz. Die Familie Pippins, der seit 615/625 das höchste merowingische Hofamt des Hausmeiers in Austrien innehatte, war dagegen nördlich der Ardennen und an der mittleren Maas begütert. Die Franken mieden die Städte. Meist bildeten die verfallenen Gutshöfe der Römerzeit den Ausgangspunkt der erneuten Besiedlung. Die Franken gründeten hier dörfliche Siedlungen mit kleinen Höfen, aus denen sich schließlich die für die Region typischen

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