49 Die Anfänge von Kirchsahr Die erste urkundliche Erwähnung von Kirchsahr Die erste urkundliche Erwähnung Kirchsahrs stammt aus der Zeit um 948/964. Die Urkunde ist nur als Abschrift in dem zu Anfang des 12. Jahrhunderts angelegten Goldenen Buch (liber aureus) der Abtei Prüm überliefert. Es enthält die Abschriften der wichtigsten Urkunden seit der Gründung durch Bertrada (721) bis zum Jahre 1103. Das Buch wurde seit dem 10. Jahrhundert geführt und im 11./12. Jahrhundert durch Einträge ergänzt. Die Urkunde von 948/964 wurde über ein Rechtsgeschäft ausgestellt, bei dem die Eheleute Arnulf und Alvrada dem Benediktinerkloster Prüm ihren gesamten Besitz in Sarna mit allem Zubehör übertrugen.41 Ihr Text nennt kein genaues Datum. Aus anderen Urkunden kann aber die Amtszeit des genannten Abtes Ingram auf die Jahre 948 bis 970 eingegrenzt werden. Der bei der Beurkundung als Zeuge anwesende Propst und Mönch Giselbert (Gislebertus) schied aber schon 964 aus seinem Amt aus. Das Jahr 948 kann damit als frühestes, 964 als letztes Entstehungsjahr der Urkunde angenommen werden. Auch die Ortsangabe zu Sarna ist wenig präzise. Der Hof lag der Urkunde zufolge in der Grafschaft des Hermann im Bonngau („in comitatu herimani in pago videlicet buonennsis“). Der Hinweis steht allerdings im Gegensatz zu allen späteren Zuordnungen. Stets gehörte Kirchsahr zum angrenzenden Ahrgau. Als die Urkunde ausgestellt wurde, muss dieser Hermann zugleich Grafenrechte im Ahrgau ausgeübt haben. Dem Schreiber war dieser Unterschied aber offensichtlich nicht bewusst.42 Vorderseite des „Goldenen Buchs“, in dem sich die Abschrift der Urkunde mit der Ersterwähnung Kirchsahrs befindet. Der Name bezieht sich auf die beiden vergoldeten Kupferplatten, mit denen die Buchdeckel seit etwa 1104/1106 verkleidet sind. Die Vorderseite zeigt Christus, der als Patron des Klosters aus den Händen des Frankenkönigs Pippin d. J. die durch ein Modell des Klosters symbolisierte Stiftung entgegennimmt und von dessen Sohn Karl mit dem Goldenen Buch selbst zahlreiche Stiftungen erhält. Im unteren Bildteil halten die karolingischen Könige und Kaiser Ludwig I., gen. der Fromme, Lothar I., Ludwig II., (gen. der Deutsche) und Karl der Kahle (gest. 877) Urkundenrollen als Zeichen für die von ihnen dem Kloster gemachten Schenkungen empor. Texte des Alten und Neuen Testaments bekräftigen ihren Herrschaftsanspruch. Hinweise auf die erste Gründerin Bertrada d. Ä. fehlen. Prüm erscheint damit als rein königliche Stiftung. Stadtbibliothek Trier, Codex 1709
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