Enges Tal und weite Welt

51 über ihre Güter besaßen. Solche Güter hießen Allod: aus fränk. al (ganz) und od (Gut, Vermögen). Im Gegensatz dazu lebte der überwiegende Teil der Bauern in persönlicher Abhängigkeit zu einem Leibherrn oder war zumindest mit Abgaben und Leistungen an eine Grundherrschaft gebunden. Mit dem Vertrag hatte das Ehepaar seine persönliche Freiheit aufgegeben und sich der Prümer Grundherrschaft unterstellt. Arnulf und Alvrada hatten jetzt wie jeder unfreie Bauer Abgaben zu entrichten, dem Kloster Dienste zu leisten. Als Gegenleistung erhielten sie mit derselben Urkunde ihr ehemaliges Eigentum zur freien Nutzung zurück und obendrein ein Effelsberg genanntes Gut („unum locum ... nuncupatum efflezbura“). Das Nutzungsrecht an beiden Gütern sollte nach dem Tode des Mannes auch der Ehefrau gewährt bleiben, wenn sie ihren neuen Ehegatten mit Zustimmung des Klosters aus dem Kreis der Prümer Grundherrschaft wählte. Dieser musste die auf dem Gut lastenden Pflichten natürlich übernehmen. Mit dem Recht der Zustimmung zu einer Heirat sicherte sich der Grundherr seine Einkünfte aus einem sorgsam geführten Hof, die treue Erfüllung der Dienstpflichten und schloss aus, dass ihm beim Tod des Bauern der Hof durch Erbgang verloren ging. Die Heiratsbeschränkungen galten auch für die beiden Töchter Frithelindis und Kunegundis, denen der Vertrag aber nur noch den ehemaligen Familienbesitz in Kirchsahr zugestand, während das Effelsberger Gut an das Kloster zurückfallen und neu vergeben werden sollte. Leben in einer unsicheren Zeit Der Schritt des Ehepaars in die persönliche Abhängigkeit zum Kloster Prüm scheint aus heutiger Sicht völlig unverständlich. Erklären lässt er sich nur vor dem Hintergrund der damals herrschenden Lebensbedingungen. Als Arnulf und seine Ehefrau den Vertrag mit dem Abt von Prüm schlossen, lag bereits ein Jahrhundert kriegerischer Ereignisse hinter den Menschen. Die ersten Streitigkeiten hatten sich am Erbe Kaiser Karls entzündet. Nach dessen Tod hatte 814 dessen Sohn Ludwig Reich und Kaiserwürde übernommen. Da er sich vornehmlich auf geistliche Berater stützte, gab man ihm den Beinamen „der Fromme“. Für das karolingische Hauskloster Prüm brach eine erneute Blütezeit an. Der Ausbau Münstereifels fiel in diese Zeit. Im dritten Jahr seiner Herrschaft bestimmte Ludwig seinen Sohn Lothar zu Mitkaiser und Nachfolger, trug sich dann aber mit mehrfach wechselnden Teilungsplänen. Dagegen lehnten sich schon 830 und nochmals 833 seine Söhne aus erster Ehe auf. Nach dem Grafik: Wikipedia, Wolperdinger

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