52 Tod Ludwigs I. im Jahre 840 erhob Lothar als Erstgeborener den alleinigen Anspruch auf das Erbe und die volle Kaisergewalt. Seine Brüder Karl und Ludwig sollten dagegen nur mit Teilreichen ausgestattet werden, sich sonst aber ihm unterordnen. Den jetzt geführten Bruderkrieg konnte auch die 843 im Vertrag von Verdun beschlossene Teilung des Reiches nur vorübergehend unterbrechen. Lothar I. behielt die Kaiserwürde und herrschte jetzt über ein Gebiet, das im Westen von Schelde, Maas und Saônne begrenzt war und den Rhein in etwa als östliche Grenze hatte. Im Norden stieß es an die Nordsee und reichte im Süden bis nach Mittelitalien. Karl erhielt den Westteil des alten Karolingerreiches und Ludwig das Land östlich des Rheins. Ost- und Westfranken hatten längst begonnen, die politischen Gegensätze durch die Unterschiede in Kultur und Sprache zu unterstreichen. Das zuvor verbindende Latein trat jetzt zugunsten einer vom Volk (diot) gesprochenen, volkstümlichen (diutisc) Sprache zurück. Die Ostfranken nannten ihre Sprache, noch in lateinischer Form, lingua theodisca und grenzten sich 843 erstmals von den norditalienischen Langobarden als Teutisci ab. Ihrem König gaben sie den Beinamen „der Deutsche“. Die Auseinandersetzungen um das karolingische Erbe brachen beim Tod des Kaisers oder eines der Teilherrscher stets von neuem aus. Den Streitpunkt bildete meist das zwischen Ost- und Westreich gelegene Reich Lothars, zu dem das Rheinland immer noch gehörte. Im Jahre 876 wurde es in der Schlacht von Andernach selbst zum Austragungsort der Feindseeligkeiten. Mit dem damals erstrittenen Sieg Ludwigs III. über seinen Onkel, den westfränkischen König Karl II. (gen. der Kahle) aus der französischen Linie der Karolinger, blieb die Osthälfte Lotharingiens und mit ihm das Rheinland beim Ostreich. Erst vier Jahre später kam es zu einer Einigung mit den Enkeln Karls II., die die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland im Wesentlichen für mehr als sieben Jahrhunderte festlegte. In der von politischer Instabilität gekennzeichneten Lage stießen die seit dem Ende des achten Jahrhunderts aus Skandinavien aufgebrochenen Normannen auf wenig Gegenwehr. Die mittelalterlichen Chroniken nennen sie Dani und Nordmanni. Ein einheitliches Volk bildeten sie aber nicht. Bekannter sind diese Krieger aber unter dem Namen Wikinger geworden. Das Wort ist skandinavischen Ursprungs. Seine Bedeutung ist aber auch noch heute unsicher. Eine plausible Ableitung kann auf die von den Karolingische Reiterei St. Gallen Stiftsbibliothek, Cod. 22, saec. IXex, S. 140. Foto: Wikipedia, Wolpertinger
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