54 Jahren relativer Ruhe hatten sich die Wikinger 879 zu einem großen Heer zusammengeschlossen und in der Scheldemündung festgesetzt. Von hier aus wagten sie sich Schelde, Maas und Rhein aufwärts vor. Im folgenden Jahr erreichten und zerstörten sie Birten bei Xanten. Als Winterlager diente ihnen das ebenfalls niedergebrannte Nimwegen. Im November 881 zogen sie die Maas hinauf, richteten nördlich von Roermond bei Asselt ein festes Lager ein und überfielen von hier aus zunächst Maastricht, Tongern und Lüttich. Dann wandten sie sich plündernd und zerstörend gegen Neuss, Jülich, Zülpich, Bonn, Köln und weiter nach Aachen, Kornelimünster, Stablo und Malmedi. Im Januar 882 erreichten sie Prüm und am 5. April Trier. Erst Tributzahlungen, die Vergabe von Lehen und Ehebündnisse mit dem Adel stellten die Normannen für kurze Zeit zufrieden. Die Normannen, die sich zunächst mit den kaiserlichen Tributzahlungen zufriedengegeben hatten, brachen Ende 882 erneut zu Beutezügen auf. Im folgenden Jahr zogen sie wieder rheinaufwärts, zerstörten die gerade im Wiederaufbau begriffenen Orte und streiften nochmals Prümer Gebiet. Ein letztes Mal wurde Prüm im Februar 892 getroffen, als ein großes Heer der Normannen nach seiner ein Jahr zuvor bei Löwen erlittenen Niederlage über Bonn in die Eifel und die Ardennen auswich. Die Mönche waren zwar früh genug gewarnt worden und konnten noch entkommen, das Kloster und die benachbarten Höfe wurden aber zerstört. Viele Dienstleute und die zurückgebliebenen Mönche fanden den Tod oder wurden als Gefangene verschleppt. Erst eine Hungersnot zwang sie zum Abzug aus dem lothringischen Reich.47 Schon wenige Jahre später sah sich das Reich erneut einer äußeren Bedrohung ausgesetzt. Seit etwa 900 überfielen die Ungarn fast alljährlich den deutschen Süden. Nach den inneren Kämpfen um das karolingische Reich und nach Abwehr der äußeren Feinde sollte um das Rheinland noch einmal Krieg geführt werden. Als die deutsche Linie der Karolinger 911 ausstarb, hätte das Erbe nach altem Recht an den nächsten Blutsverwandten übergehen müssen. Die letzten Karolinger herrschten im Westreich. Der ostfränkische Hochadel wählte 911 jedoch mit Konrad von Franken den neuen König aus den eigenen Reihen. Damit entzogen sich die mit dem Niedergang der Karolinger mächtig gewordenen Stammesherzöge von Sachsen, Bayern, Schwaben und Franken einerseits dem Herrschaftsanspruch des westfränkischen Königs und sicherten sich zum anderen den Einfluss auf die Reichspolitik. Bei den Merowingern und Karolingern hatte das Reich als privates Eigentum des Königs gegolten, das er innerhalb seiner Blutsverwandtschaft weitergeben konnte. Jetzt galt das Reich als unteilbar. Mit dieser Lösung gaben sich die mit dem neuen Königshaus verfeindeten Herzöge von Lotharingien aber nicht zufrieden. Das Rheinland fiel noch einmal in den Einflussbereich des westfränkischen Königs. Unterstützung hatte dieser offensichtlich auch beim Kölner Erzbischof Hermann I. (889/890 – 924) gefunden. Erst dem 919 zum König gewählten Sachsenherzog Heinrich I. gelang es, nach langen Kämpfen das Rheinland 925 dauerhaft dem Ostreich anzugliedern. Für das Rheinland hatten Krieg und
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