Enges Tal und weite Welt

61 Das Stift als neuer Grundherr im Sahrbachtal Der Prümer Besitz in Kirchsahr dürfte spätestens im 11. Jahrhundert an das Kloster bzw. Stift Münstereifel übergegangen sein. Den Hinweis darauf liefern die beiden bereits erwähnten Urkunden von 1079/108362 und 110563, in denen die damalige Kölner Erzbischöfe Sigewin von Are (1079 – 1089) und Friedrich I. (1100 – 1131) dem Stift dieZehnten schenkten, die ihnen von gerodetem Land oder von den zu ihren Lebzeiten noch erfolgenden Rodungen zustanden. Solche Rottzehnten (auch: Neubruchzehnten, Brachzehnten oder Novalzehnten) vergaben die Kölner Erzbischöfe meist an Klöster, die in den entsprechenden Orten bereits ältere Zehntrechte besaßen.64 Der Zehnt wurde als Abgabe von landwirtschaftlichen Produkten, Holz und Vieh erhoben. Im Sahrbachtal und in Vischel blieb der Rottzehnt noch lange zwischen dem Stift und dem lokalen Adel umstritten. Erst nachdem die Herren der Tomburg 1302 auf ihre aus dem deutlich älteren Tomburger Wildbann abgeleiteten Ansprüche verzichtet hatten65, erhob das Stift den Zehnten in Burgsahr und Kirchsahr bis zum Ende des Alten Reiches. Der Niedergang des Klosters Prüm Die noch 1105 erkennbare enge Bindung des Stiftes Münstereifel an Prüm begann sich bereits im 12. Jahrhundert aufzulösen. Schon 1122 erreichten die Stiftsherren die Übergabe des Marktzollrechtes, zwei Jahre später betrieben sie gegen das ausschließliche Recht Prüms eine eigene Mühle. Bereits Caesarius von Millendonck hatte 1222 in einer Randbemerkung zum Prümer Urbar im Zusammenhang mit der Erwähnung der acht, dem Stift überlassenen Mutterkirchen auf die ursprüngliche übergeordnete Stellung Prüms hingewiesen und deren Wiederherstellung gefordert.66 Mit dem fortschreitenden Machtverlust Prüms gingen jedoch immer mehr dieser Rechte verloren. Schon um 1300 konnte das Kloster seinen entfernt liegenden Besitz gegenüber dem nach Ausweitung und Abrundung seiner territorialen Herrschaft strebenden hohen Adel und dem in seinen Diensten aufgestiegenen niederen Adel kaum noch behaupten. In der nördlichen Eifel waren es vor allem die Erzbischöfe von Köln und die Grafen (seit 1336 Markgrafen, seit 1356 Herzöge) von Jülich. Den näheren Grundbesitz konnte das Kloster noch zu einer eigenen Landesherrschaft, der Fürstabtei Prüm, ausbauen. Dieses Gebiet versuchten seither die Trierer Erzbischöfe an sich zu bringen. Schon im frühen 14. Jahrhundert zwangen sie die Äbte zur Übergabe der nah Bauern übergeben einem geistlichen Herrn den Zehnt. Holzschnitt, Augsburg 1479

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