Enges Tal und weite Welt

65 gelegenen Bauernhöfe erhalten haben. Möglicherweise standen ihm Abgaben aus den Höfen zu, oder er war als Verwalter des Herrenhofs eingesetzt und damit für den gesamten Ort zuständig. Noch wahrscheinlicher ist, dass er mehrere Mansen erhielt.82 Auf jeden Fall wird er eine herausragende Stellung innerhalb der Effelsberger Grundherrschaft eingenommen und sich nach Vermögen und Ansehen von übrigen Mansenbauern unterschieden haben. Zur Effelsberger Grundherrschaft gehörten nach dem Prümer Urbar 8½ Mansen. Es bleibt allerdings unklar, ob damit der Zustand von 893 wiedergegeben ist oder ob 1222 bei der Abschrift bereits die mit dem Prekarievertrag von 948/964 hinzugekommenen Güter eingerechnet worden sind. In Lind besaß das Kloster 23, in Kreuzberg 5½ und in Vischel 31½ Bauernhöfe, die Abgaben zu entrichten und Dienste auf dem dortigen Herrenhof zu leisten hatten. Die Auflistung halber Mansen ist ein erster Hinweis auf eine bereits im 9. Jahrhundert einsetzende Zersplitterung bäuerlichen Besitzes durch Erbteilung. Das Beispiel aus Kirchsahr von 948/964 zeigt aber auch, dass durchaus mehrere Mansen von einem Besitzer unterhalten werden konnten.83 Die Manse galt daher vor allem als Berechnungsgrundlage für die zu erbringenden Abgaben und Leistungen. Den Fronhof leitete ein vom Abt eingesetzter villicus oder Meier. Die so deutsch anmutende Amtsbezeichnung ist lateinischen Ursprungs. Maior oder maius bedeutet größer, stärker, bedeutender. Wie der Hausmeier am fränkischen Königshof nahm der Meier innerhalb des Fronhofverbandes eine Vorrangstellung gegenüber den anderen Bauern der Grundherrschaft ein. Er führte den Hof mit wenigen Knechten und Mägden und nahm die Abgaben der zur Grundherrschaft gehörenden Bauern entgegen. Die Bewirtschaftung des Fronhofs erfolgte fast ausschließlich mit Hilfe der von Mansenbauern zu leistenden Fronarbeit. Von den Erträgen des Fronhofs hatte der Villicus dem Grundherrn einen festen Teil Bauern mit Hakenpflug, Pferde in Brustanspannung Heidelberger Handschrift des Sachsenspiegels (um 1216 – 1220), Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 164, Bl. 25v. Mittelalterlicher Hakenpflug aus Holz mit eisenbeschlagener Spitze. Ein zufriedenstellendes Ergebnis brachte das einfache Gerät nur bei kreuzweisem Pflügen. Foto: Wikipedia, Olbertz

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