Enges Tal und weite Welt

70 erbrachte der Bauer weit außerhalb des heimischen Hofes, meist nach Prüm oder zu einem der Filialklöster. Der zeitliche Aufwand entsprach den zweimal jährlich für jeweils 15 Tage zu leistenden noctes. Der für diese Leistung gebrauchte lateinische Begriff ist mit Nächte zu übersetzen und kann daher als Hinweis auf Arbeiten fernab vom Herrenhof gewertet werden. Soweit sie im Prümer Urbar an anderer Stelle zeitlich genauer festgelegt sind, lagen sie außerhalb der Erntezeit. Folglich dürften sie hauptsächlich Waldarbeiten, aber auch die Aushilfe in den Weinbaugebieten um Ahrweiler und Botengänge umfasst haben. Botendienste und die Begleitung von Transport-Konvois zu den Verwaltungszentren der Grundherrschaft, aber auch zu den Aufenthaltsorten des Abts waren unter dem Begriff scara als eigenständiger Dienst gefasst. Prümer Urkunden des neunten Jahrhunderts lassen diesen, mit dem eigenen Pferd zu leistenden „Schardienst“ aber als Teil der noctes erscheinen. Neben den zeitlich festgelegten Arbeitsleistungen kam die nach Dauer und Aufwand nicht näher bestimmbare Mithilfe bei der Getreide- und Heuernte, bei der Weinlese, beim Brotbacken und Bierbrauen sowie Wachdienste (wactae) zur Sicherung der eingebrachten Ernte hinzu. Auch die Einzäunung der Felder und Weiden und die Bestellung des zum Herrenhof gehörenden Gartens musste von den Mansen aus geleistet werden. Die anfallenden Arbeiten verteilten sich auf alle zur Familie des Bauern oder zum Gesinde gehörenden Personen. Der gesamte Zeitaufwand ist wegen der vielen ungenauen Angaben rechnerisch nicht zu fassen und kaum abzuschätzen. Vor allem die Pflicht zur Erntehilfe war nicht festgelegt, konnte erheblich schwanken und Kornernte mit Sichel Heidelberger Handschrift des Sachsenspiegels (um 1216 – 1220), Universitätsbibliothek Heidelberg Cod. Pal. germ. 164, Bl. 009r. Dreschen (14. Jh.) W. Abel, III, 4

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