71 dürfte für alle arbeitsfähigen Hofbewohner gegolten haben. Selbst einem einzelnen Arbeitstag kam je nach Lage innerhalb oder außerhalb von Pflug- und Erntezeiten unterschiedliches Gewicht zu, und soweit eigenes Werkzeug und Gerät zu stellen war, kamen Zeiten für deren Herstellung und Wartung hinzu. Insgesamt beanspruchten die für den Herrenhof zu erbringenden Frondienste etwa ein Fünftel bis ein Viertel der bäuerlichen Arbeitszeit.88 Der Arbeitstag begann kurz vor Sonnenaufgang und endete mit dem letzten Licht. Im Sommer waren zwölf Stunden Arbeitszeit üblich, im Winter war der Arbeitstag entsprechend kürzer. Zeit zur Ruhe und Erholung gab es, nach der Versorgung des Viehs, nur an Sonn- und Feiertagen. Deren Zahl lag im Spätmittelalter allerdings über 100. Seit dem 14. Jahrhundert vermehrten sich Forderungen nach einer Reduzierung der für das Wirtschaftsleben nachteiligen Reglung, aber erst Papst Urban VIII. begrenzte 1632 die Zahl der Feiertage auf 34. Die Abgaben89 bestanden hauptsächlich aus Naturalabgaben. Jede Effelsberger Manse musste jährlich 3 Hühner, 15 Eier und 1 Pfund Leinen oder ein fertiges Tuch (camsilis) liefern. Andere Abgaben waren aber schon vor 893 in Geldleistungen umgewandelt worden. Die Verpflichtung, den Abt oder einen seiner Dienstleute unentgeltlich zu beherbergen (hostilicum oder natselde)90, war mit der Zahlung von 4 Silberpfennigen abgelöst und statt der Lieferung eines Mastschweins (sualis) zahlte jeder Mansenbauer jährlich 12 Silberpfennig. Der für ein Schwein angesetzte Geldwert schwankte in der näheren Umgebung je nach Dauer der Mast zwischen 4 und 24 Pfennigen.91 Für die Rheinbacher Mansen veranschlagt das Urbar ein solches Schwein mit 24 Pfennig92, sodass man für die Effelsberger Mansen die Abgabe eines Spanferkels oder die zweijährliche Lieferung eines ausgewachsenen Schweins annehmen kann. Die jährliche Geldzahlung belief sich insgesamt auf etwa 22 Gramm reinen Silbers. Ihr Anteil an den Gesamtleistungen war gering, der Gebrauch von Geld zeigt aber, dass die Bauern am Ende des 9. Jahrhunderts bereits einen Teil ihrer Produkte auf den Märkten der näheren Umgebung verkaufen konnten. Mähen (um 1275) Le Veil Rentier d’Audenarde (Kgl. Bibl. zu Brüssel, Nr. 1175).
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