Enges Tal und weite Welt

72 Wandel der älteren Grundherrschaft93 Schon 1222 schloss Caesarius von Millendonk seine Aufzeichnungen mit der Bemerkung, dass 329 Jahre nach der Anlage des Urbars viele Wälder gerodet, neue Dörfer entstanden, Zehnte vermehrt, Mühlen errichtet, Weingärten angelegt und neues Ackerland gewonnen worden sei.94 Die von dem ehemaligen Prümer Abt beschriebenen Veränderungen setzten bereits im 11. Jahrhundert ein und kamen erst 300 Jahre später zum Stillstand. In der Agrargeschichte wird dieser Zeitraum Rodungsphase genannt. Die Namen der damals neu gegründeten Orte enden meist auf -roth oder -rade. Auch die Anfänge von Winnen und Hürnig dürften in diese Zeit fallen. Mit der Kultivierung gerodeter Flächen, dem Übergang zur Dreifelderwirtschaft95 und den Verbesserungen im Weinanbau96 stiegen die Erträge der Mansenbauern. Bis dahin hatte man den Boden solange bearbeitet, wie er Früchte trug, und dann brachliegen lassen. Jetzt teilte man das Land in drei Teile, von denen das erste Drittel im ersten Jahr Wintergetreide trug und nach der Ernte als Stoppelweide diente. Im folgenden Jahr wurden Sommergetreide oder Hülsenfrüchte ausgesät. Nach der Ernte im Hochsommer nutzte man es wieder als Stoppelweide. Dann pflügte man es im Juni des folgenden Jahres, ließ es aber bis zum Spätherbst brachliegen, pflügte ein zweites Mal und säte im Spätherbst wieder Wintergetreide aus. Die Bearbeitung der beiden anderen Drittel verlief jeweils um ein Jahr versetzt entsprechend. Die Einführung der Dreifelderwirtschaft brachte zwei große Vorteile: Zum einen konnten sich die Felder, die während eines solchen dreijährigen Zyklus in 20 Monaten brachlagen, regenerieren, Weinbau im Mittelalter Den Haag, Königliche Bibliothek, 76 F 13, fol. 3v & 9v.

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