Enges Tal und weite Welt

81 Die Krise der Landwirtschaft im ausgehenden Mittelalter116 Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatte die positive Entwicklung der Landwirtschaft ihre Grenzen erreicht. Die Bevölkerung hatte stark zugenommen, Ackerland konnte aber nicht in beliebigem Umfang gewonnen werden. Die durch Rodung gewonnenen Äcker waren bald erschöpft. Als eine allgemeine Verschlechterung des Klimas in Mitteleuropa eine Reihe von Missernten brachte, hatten die wenige Jahre später auftretenden großen Seuchen leichtes Spiel mit den von Hungersnöten geschwächten Menschen. Sie brachten tiefe Einschnitte in allen Lebensbereichen. Anders als Kriege und Hungersnöte waren sie weder in ihren Ursachen fassbar, noch war ihnen in irgendeiner Weise zu begegnen. Die Menschen empfanden das Massensterben als Gottesstrafe und reagierten darauf in unterschiedlichster Weise. Die Extreme reichten von übersteigerter Religiosität bis zu extremsten weltlichen Ausschweifungen. Der massive Bevölkerungsrückgang war nach wenigen Generationen ausgeglichen. Jetzt erst zeigten sich seine langfristigen Folgen, die die mittelalterliche Gesellschaft in ihren Grundzügen verändern sollte. In den von der Pest meist härter getroffenen Städten fehlten jetzt die Arbeitskräfte. Da diese gleichzeitig auch Konsumenten der Grundnahrungsmittel waren, kam es auf dem Land zu einem relativen Überangebot an Agrarprodukten. In den Städten stiegen die Löhne und Preise für gewerbliche Erzeugnisse, auf dem Land kam Der Ausschnitt aus dem Holzstich „Totentanz“ von Hans Holbein d. J. (1538) gibt mit der Beteiligung des Todes an der Waldrodung einen Hinweis auf deren fatale Folgen.

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