82 es dagegen zu einem lang anhaltenden Preisverfall. Viele Bauern zogen in die Städte, in denen der herrschende Arbeitskräftemangel guten Verdienst versprach. Das Stadtrecht gewährte zudem persönliche Freiheit, ständische Schranken, die den Bauern stets eine untergeordnete gesellschaftliche Stellung zugewiesen hatten, gerieten hier in Auflösung. Die auf dem Land verbliebenen Menschen bekamen die Folgen der Pest in doppelter Weise zu spüren: Ihre Einkommen gingen zurück, während sie auf den städtischen Märkten mehr bezahlen mussten. Langanhaltende Armut war die Folge. Die Agrarkrise traf auch die Grundherren. Die sinkenden Erträge der Bauern schmälerten ihre Einnahmen. Häufig ließ sich nur bei deutlich günstigeren Bedingungen überhaupt ein Pächter finden. Viele Ritterfamilien verarmten, wenn sie sich nicht zusätzliche Einkünfte in Diensten eines mächtigen Landesherrn erschließen konnten. An der mittleren Ahr gelang dies mit der Aufnahme in die Burgmannschaft der kurkölnischen Burg Altenahr. Die in der Rodungsphase kultivierten Ackerflächen, die ohnehin stets weniger Erträge gebracht hatten, wurden angesichts des Bevölkerungsrückgangs und der Absatzschwierigkeiten in der Landwirtschaft nicht weiterbearbeitet. Die Bauern gaben die hier entstandenen Hofstellen und Siedlungen auf und zogen sich in günstiger gelegene Gebiete zurück. Von hier aus bewirtschafteten sie häufig die zu den aufgegebenen Siedlungen gehörenden Feldfluren weiter oder betrieben dort nur noch Wald- und Weidewirtschaft. In Wäldern verborgene Mauerreste, überwachsene Ackerterrassen oder zusammengelesene Feldsteine, oft auch nur noch alte, kaum mehr zu deutende Flurnamen sind letzte Belege für solche „Wüstungen“. Meist stammen sie aus dem 13./14. Jahrhundert. Von etwa 1300 bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts ging die Zahl der Siedlungen im Deutschen Reich (in den Grenzen von 1937) von ungefähr 170.000 auf etwa 130.000 zurück. In späterer Zeit treten Wüstungen nochmals verstärkt im Dreißigjährigen Krieg auf. Am häufigsten finden sie sich in Hessen, Thüringen und Sachsen, selten in Bayern, Schlesien und Pommern. In der Eifel gab es einen weiteren Wüstungshöhepunkt während der Reunionskriege, als französische Truppen seit 1681 brandschatzend durch die linksrheinischen Gebiete zogen und seit 1688 nahezu alle Burgen und zahlreiche Ortschaften zerstörten. Im Kreis Ahrweiler kommen fast ausnahmslos Hofwüstungen vor. In den erst in der Neuzeit angelegten Höhenwäldern zu beiden Seiten des Sahr- und Vischelbachs sind sie besonders häufig zu finden.
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